Beitrag zur Nachhaltigkeit

BSH weiht in Giengen eine neue Versandanlage ein: 30 Prozent weniger Karton, bis zu 15.000 Pakete pro Tag

Der Hausgerätehersteller BSH hat in Giengen eine neue automatische Versandanlage eingeweiht, die den Kartonverbrauch um 30 Prozent senkt und das Ladevolumen der Lkw besser nutzt. Die Anlage unterstützte bereits beim Bestellboom vor Weihnachten.

Der Inhalt eines blauen Containers, etwa so groß wie zwei Regentonnen, kann vielleicht  als Symbol dafür herhalten, wie effizient die neue, automatische Versandanlage bei BSH in Giengen funktioniert. In diesen Behälter fallen alle paar Sekunden die maximal postkartengroßen Pappreste, die bei der maßgeschneiderten Verpackung kleiner Hausgeräte jetzt noch anfallen. Um 30 Prozent soll der Kartonverbrauch dank der Anlage sinken. Ihre Bewährungsprobe erlebte sie bereits im Bestellboom vor Weihnachten, am Mittwoch wurde die Millioneninvestition offiziell eingeweiht.

Das Giengener BSH-Werk ist zwar vor allem für die Herstellung von Kältegeräten bekannt, die Bedeutung als Logistikstandort dürfte innerhalb des Konzerns aber kaum geringer sein. Die Logistik, die auf dem Werksgelände nördlich der Bahnlinie angesiedelt ist, kümmert sich nicht nur um Lagerung und Verteilung der in Giengen hergestellten Kühlgeräte, sondern auch um den Versand der sogenannten kleinen Hausgeräte: Kaffeeautomaten, Staubsauger, Küchenmaschinen. 15 Millionen solcher Geräte wurden allein im Jahr 2025 versandt.

Autonome Fahrzeuge im Lager unterwegs

Diese bislang in weiten Teilen manuell abgewickelte Aufgabe ist nun überwiegend automatisiert worden – und zwar in allen Schritten: Fahrerlose Transportfahrzeuge, die von den Mitarbeitenden die Namen von Filmhelden wie „Rocky Balboa“ und „Lara Croft“ bekommen haben, bringen Paletten voller Geräte in die Versandhalle, dort werden sie vereinzelt: Roboter setzen die Schachteln in Lagerboxen, die in einem neu gebauten Regalsystem für bis zu 7500 solcher Boxen geparkt werden.

Mit dem Durchschneiden eines Bandes wurde die neue Anlage am Mittwoch offiziell eingeweiht. BSH

Geht nun beispielsweise über einen Onlinehändler die Bestellung eines Staubsaugers ein, wird das Gerät automatisch aus dem Regal geholt und über Förderbänder zur Verpackungsanlage geliefert. Dort ermittelt ein 3D-Scanner die Außenmaße, aus denen sofort passgenau eine Kartonverpackung gestanzt wird. Sekunden später ist das Gerät verpackt, wird noch mit einem Versandaufkleber versehen und wandert über eine spiralförmige Rutsche ein Stockwerk tiefer, wo es zu den Lkw-Wechselbrücken befördert wird. Dort findet noch einer der wenigen manuellen Schritte statt, wenn die Pakete passgenau und möglichst dicht eingestapelt werden. Bis zu 15.000 Pakete pro Tag kann die Anlage transportfertig machen.

Ladevolumen effizienter genutzt

Dass nicht länger Standardkartons genutzt werden, die im Zweifel viel Luft enthalten, soll nicht nur Material einsparen, auch das Ladevolumen der Lkw kann dadurch besser ausgereizt werden: Laut BSH beträgt die Steigerung 50 Prozent.

Diesen Beitrag zur Nachhaltigkeit hob auch Oberbürgermeister Dieter Henle in seinem Grußwort hervor. „Diese Anlage ist ein Wunderwerk“, so Henle, der davon ausging, dass auch die Kunden schätzen werden, dass die Versandkartons „kein überflüssiges Drumherum“ mehr bieten. „Die BSH setzt damit Nachhaltigkeit in die Praxis um“, betonte der OB, der das Unternehmen auch dabei unterstützen will, noch mehr Transporte als bisher auf die Schiene zu bringen.

Sekundenschnell und passgenau werden die Pakete automatisch verpackt. BSH

Landrat Peter Polta konstatierte der BSH Innovationskraft und unternehmerischen Weitblick. Die Investition, die nach Firmenangaben im hohen einstelligen Millionenbereich lag, wertete Polta als „Bekenntnis zum Standort“, die zudem der Sicherung von Arbeitsplätzen diene. Auch der Landrat versprach, beim nun in der Planung befindlichen Brenzbahn-Ausbau nicht locker zu lassen. Durch die Elektrifizierung werde künftig kein Antriebswechsel mehr nötig sein. Im vergangenen Jahr wurden zwar bereits rund 20.000 Container mit Waren aus Giengen auf der Schiene transportiert. Allerdings müssen die Züge umgekoppelt werden, weil auf der Brenzbahn nur Diesellokomotiven fahren können. Das kostet Zeit und Geld.

Nachhaltigkeit als gelebte Praxis

Manuel Utz, Standortleiter für Logistik bei der BSH in Giengen, wollte seine Freude über die Einweihung der Anlage gar nicht erst verhehlen. Nach mehreren Jahren der Planung und Montage sei nun die Vision einer „durchgehend automatischen Reise für die Produkte“ Realität geworden. Nachhaltigkeit sei damit in einem weiteren Teilbereich zur „gelebten Praxis“ geworden.

Der Aufbau der Anlage bei laufendem Betrieb sei „eine Operation am offenen Herzen“ gewesen, sagte Lukas Stahl, der als Leiter für Projekte und Systeme für die Umsetzung verantwortlich war.

Steiles Wachstum seit 2014

Seit 2014 versendet die BSH Kleingeräte direkt an Konsumentinnen und Konsumenten – damals lag das jährliche Volumen aus Giengen und dem Lager im Herbrechtinger Industriegebiet Vohenstein bei knapp 70.000 Sendungen. Schon 2022 wurde der Meilenstein von rund einer Million versendeten Produkten pro Jahr erreicht. Angesichts dieses rasanten Anstiegs und des weiterhin wachsenden Volumens war eine Automatisierung im Paketversand nach Einschätzung des Unternehmens unerlässlich.