Seit seinem 18. Lebensjahr geht Harald Schmid regelmäßig zur Blutspende. Viermal im Jahr, um genau zu sein, zweimal in Giengen und zweimal in Herbrechtingen. Heute hat der 65-Jährige bereits mehr als 150 Mal gespendet, also 75 Liter Blut, um genau zu sein.
Sein Antrieb ist bis heute derselbe: der Gedanke, dass man selbst jederzeit in die Lage kommen könnte, auf Blut angewiesen zu sein. Zudem motivierte ihn früh sein Bruder, der beim Deutschen Roten Kreuz aktiv ist. Und nicht zuletzt waren es auch die kleinen Ehrennadeln, die es für bestimmte Spendenzahlen gibt – nach 3, 10, 15, 25, 40, 50 und 75 Spenden.
Nervös trotz Routine
Auch Harald erinnert sich gut an seine erste Spende: an die Nervosität, die vielen Schritte davor – Fragebogen, Arztgespräch, Warten. „Beim ersten Einstechen zucke ich bis heute zusammen“, erzählt er. „Da kannst du noch so ein Mann sein – wenn die Nadel kommt, zuckt man trotzdem.“
Und das, obwohl die Blutspende längst zu seinem Alltag gehört. Nach 56 Tagen Pause darf man wieder spenden, Frauen viermal, Männer sogar bis zu sechsmal im Jahr. Dieses Maximum hat Harald auch schon ausprobiert. „Es hat schon geklappt, aber nach dem sechsten Mal habe ich Eisentabletten vom Arzt bekommen“, so der Giengener.
Ein Highlight war für ihn und seine Frau Rosemarie eine Einladung nach Stuttgart. Dort wurden – wie Lottozahlen – Spendernummern ausgelost und vorgelesen, wie vielen Menschen die jeweilige Person bereits geholfen hatte. „Das hat mich richtig motiviert“, sagt der Blutspender.
Spenden nach Zeitplan und Hund
Feste Rituale haben die beiden nicht. „Wir gehen, wie es reinpasst“, sagt Harald. Auch ihr Hund bestimmt ein wenig den Zeitplan. Meist sind sie zwischen 15 und 15.30 Uhr vor Ort. Als nächstes Ziel hat Harald Schmid sich 175 Spenden gesetzt.

Rosemarie hingegen möchte die 100er-Marke knacken und würde gern öfter spenden dürfen. „Ich bin nicht mehr im Menstruationsalter, aber trotzdem darf ich nur viermal im Jahr“, sagt sie. Für sie hat die Blutspende außerdem etwas mit Gesundheitsgefühl zu tun: „Man weiß, dass alles in Ordnung ist.“
Liebesgeschichte begann mit einer Spende
Ihre gemeinsame Geschichte zeigt, dass Blutspenden nicht nur Leben retten kann, sondern auch verbindet, denn 2014 haben sich Harald und Rosemarie beim Blutspenden kennengelernt. Wären sie damals nicht beide nach ihrer Spende noch zum Essen dageblieben, hätte ihr Leben vermutlich einen anderen Lauf genommen.
Auch bei der DKMS sind beide registriert, ohne Treffer. Außerdem besitzen sie jeweils einen Organspendeausweis. Denn wie Harald Schmid deutlich macht: „Geld kann ich nicht spenden, aber Blut kann ich spenden.“ Seine Frau ergänzt: „Man braucht das Blut – und solange es geht und einem nichts fehlt.“
Appell an die junge Generation
Harald und Rosemarie sprechen häufig mit ihren Kindern und jungen Leuten über das Thema. Mehr Aufklärung in Schulen, sagen sie, könnte helfen, die nächste Spendergeneration zu erreichen. Der 65-Jährige betont: „Sie sollen es einfach probieren. Nach 30 Minuten ist alles vorbei.“
Abschließend fügt er hinzu: „Das Tollste nach dem Blutspenden ist, dass ich immer gut schlafe.“
Wie läuft Blutspenden ab
Mit einer Blutspende kann bis zu drei kranken und verletzten Menschen unmittelbar geholfen werden. Der Ablauf ist klar strukturiert: Zunächst reservieren Spenderinnen und Spender online einen Termin und melden sich vor Ort mit dem Personalausweis an. Danach folgt ein Gesundheitsfragebogen, bevor Vitalwerte wie Blutdruck und Hämoglobin geprüft und ein vertrauliches Arztgespräch geführt werden. Erst dann erfolgt die eigentliche Blutspende. Anschließend ist eine kurze Ruhepause vorgesehen, in der für Verpflegung gesorgt ist.
Besonders gefragt sind Menschen mit der Blutgruppe 0 Rhesus negativ, der sogenannten Universalblutgruppe. Ihre roten Blutkörperchen sind mit allen anderen Blutgruppen kompatibel und können vor allem in Notfällen lebensrettend sein. Aktuell befinden sich die Blutgruppen B– im kritischen Bereich und 0– auf niedrigem Niveau, während die übrigen Blutgruppen im Normalstand liegen und regelmäßig aufgefüllt werden müssen.

