175 Jahre Musikschule

Händel, Beethoven und Ritterkampf: Das alles hatte das Neujahrskonzert der städtischen Musikschule Giengen zu bieten

Besser kann das Jahr musikalisch kaum beginnen: Das Neujahrskonzert der städtischen Musikschule bildete nicht nur den Auftakt zum Jubiläumsreigen, sondern hielt auch Überraschungen bereit.

Wenn ein Jahr mit Händel beginnt, dann ist es ganz gut, wenn es sich dabei um den Komponisten handelt. Und wenn Feuer-Werke den Beginn eines Jahres markieren, dann doch am besten solche aus Musik. Insofern hat die Musikschule Giengen mit ihrem Neujahrskonzert am Sonntag in der Walter-Schmid-Halle alles richtig gemacht: Ihre „Feuer-Werke“, so der Titel des Konzerts, waren geradezu funkensprühend, hielt einige Überraschungen bereit und bildete so ein kollektives Lagerfeuer, von dem sich das ungewöhnlich große Publikum über rund drei Stunden erwärmen, ja geradezu entflammen ließ. Gleichsam lieferte es auch einen eindrucksvollen Beleg dafür, auf welch hohem Niveau – Nachwuchs eingeschlossen – die Musikschule im 175. Jahr ihres Bestehens agiert.

Glühwürmchen glimmten, Furien tanzten, Champagner spritzte, Kavallerie kam feurig des Wegs, Trompeten erschallten aus samtenen Chorkehlen, das Händelsche Feuerwerk entfaltete den schönsten musikalischen Glitter, und am Ende war alles Walzer. Viel hat sich Musikschulleiterin Marion Zenker für dieses das Jubiläumsjahr eröffnende Konzert einfallen lassen, und viele Mitwirkende hat sie dafür gewinnen können.

Superlativ für Giengen

Das Sinfonieorchester der Musikschule versammelte Lehrer und Schüler, aktuelle wie ehemalige, und beeindruckte durch seine Größe ebenso wie seine enorme Virtuosität, und der Frauenchor „The Velvets“ unter Leitung von Christian Zenker ließ mit seinem kristallklaren und samtweichen Vortrag aufhorchen. „Jedes Instrument ein Funke und zusammen ein musikalisches Feuerwerk“, den Worten Marion Zenkers konnte sich das Publikum nur anschließen, das sich am gesamten Abend ergötzte wie an einer nicht enden wollenden Wunderkerze.

Marion Zenker hatte allen Grund zur Zufriedenheit. Dennis Straub

Zu deren Glitzern und Funkeln trug auch der Nachwuchs bei: Die Preisträger der Musikschule Giengen bei „Jugend musiziert“ aus den Jahren 2023 bis 2025 wurden an diesem Abend geehrt und sie durften aus den Händen von Oberbürgermeister Dieter Henle ihre Auszeichnungen entgegennehmen. Henle ging auch auf die Geschichte der Musikschule ein, die immerhin – diesen Superlativ kann Giengen niemand nehmen – die älteste in Württemberg ist und unter den fünf ältesten Deutschlands und seit 175 Jahren dafür sorgt, dass Musizieren keine Frage von Herkunft und finanziellem Hintergrund ist. „Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Demokratie“, so Henle.

Herr der Ringe mit Ritterkampf

Welche Talente diese Einrichtung bis heute hervorbringt, konnte das Publikum bei den Solisten des Abends erleben, die allesamt zu den Preisträgern gehören. Jonathan Zenker am Marimbaphon verblüffte einmal mehr mit seinem besonderen Gespür für Rhythmus und Dynamik bei „Ghanaia“, und Emily Saur am Violoncello entfachte spanisches Feuer mit lodernder Glut bei Ravels „Pièce en forme de Habanéra“. Tamara Živković (Sopran) und Benjamin Bäurle (Bariton) hatten sich Mozart vorgeknöpft: Während sie mit beachtlichem Volumen als Papagena und Papageno aus der "Zauberflöte" vom „Höchsten der Gefühle“ sangen, brachten sie ihr Publikum sehr weit in die Nähe des Besungenen.

Und das war noch immer nicht alles: Auf den Weg nach Mordor machten sich Orchester und Frauenchor gemeinsam im Medley „Herr der Ringe“, in dem sogar noch ein Ritterkampf live zu erleben war. Thorsten von Isenstein und Immanuel von Hohestetten waren eigens aus dem Rittergut Stetten angereist und würden wohl jetzt noch weiterkämpfen, hätte sie nicht ein geschickt eingesetzter Geigenbogen schachmatt gesetzt.

Walzer zum Abschluss

Eine gute Tradition ist der Walzer am Ende des Neujahrskonzerts, bei dem auch wirklich getanzt werden darf. Dieser Aufforderung bei „Rosen aus dem Süden“ kam auch eine stattliche Anzahl von Tanzpaaren nach und glitt über das Parkett. Eine neue Tradition könnte der Clou des Abends begründen, im Programm noch mit „musikalischer Überraschung“ beschrieben. Und für die sorgte das Publikum selbst: Mit eigens angefertigten Pfeifen – es muss Marion Zenkers Vater unzählige Werkstunden gekostet haben – intonierten die Zuhörer nach Farbanweisung von der Bühne Beethovens „Ode an die Freude“ aus der 9. Sinfonie, zunächst allein, dann zusammen mit dem Orchester.

17 Preise für zwölf Musikschüler

Die Preisträgerinnen der Musikschule Giengen bei den Wettbewerben von „Jugend musiziert“ in den Jahren 2023 bis 2025 auf Regional- und Landesebene sind: Benjamin Bäurle (Gesang, 1. Preis regional, 3. Preis landesweit), Tamara Živković (Gesang, 2. Preis regional), Dario Zierold (Horn, 1. Preis regional, 2. Preis landesweit), Valerie Baur (Trompete, 2. Preis regional), Miriam Berger (Posaune, 1. Preis regional), Max Grünbeck (Querflöte, 1. Preis regional), Elias Haffter (Posaune, 2. Preis regional), Hannah Müller (Querflöte, 1. Preis regional), Emily Saur (Violoncello, 1. Preis regional, 2. Preis landesweit), Lilly Weichler (Tuba, 1. Preis regional), Marie Wrobel (Violoncello, 1. Preis regional) und Jonathan Zenker (Perkussion, 1. Preis regional und landesweit). Jonathan Zenker konnte zudem sogar den 2. Preis im Bundeswettbewerb erreichen.