Gerade waren der Weihnachtsmarkt und das Bredlesverkaufen in Cébazat beendet, da stand schon der nächste Höhepunkt für das Partnerschaftskomitee Gerstetten-Cébazat auf dem Programm: Zusammen mit dem Bürgermeister Flavien Neuvy und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Komitees Joseph Chalencon fuhren Vorsitzender Peter Maier und Elisabet Ablasser mit im Auto nach Paris.
Eine besondere Ehre wurde dort der Partnerschaft zwischen Gerstetten und Cébazat zuteil. Denn die französische Partnergemeinde in der Auvergne hat sich am Wettbewerb „Preis der Deutsch-Französischen Partnerschaft des Senats“ beteiligt. Dieser Wettbewerb wurde erstmals für die über 2000 Gemeinden, die in Frankreich eine Partnerschaft mit Deutschland pflegen, ausgeschrieben.
Mit einer aufwändigen Darstellung der seit über 30 Jahren andauernden Verbindung zu Gerstetten bewarb sich Cébazat im August in der Kategorie „Dörfer und Kleinstädte“ und erreichten in der Kategorie von 4000 bis 11500 Einwohner den ersten Platz. Berücksichtigt wurden dabei folgende Kriterien: Regelmäßigkeit der Aktivitäten, Innovation und Originalität, Umfang der Veranstaltungen, Vielfalt der erreichten Zielgruppen sowie Wirkung und Ausstrahlung.
Senatspräsident betont Bedeutung für die Solidarität
Bei der Preisverleihung im Palais de Luxembourg führte Senatspräsident Gérard Larcher aus, dass der Élysée-Vertrag von 1963 nur Sinn ergebe, wenn daraus durch vielerlei Austauschprogramme in Sport, Kultur und Vereinswesen Begegnungen von Mensch zu Mensch ermöglicht werden. Partnerschaften würden mehr zur Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich beitragen als viele Reden und manche Verträge.
Die europäische Dimension könne nicht genug betont werden, so Larcher weiter, denn daraus würden konkrete Schritte entstehen, aus denen tatsächliche Solidarität geschaffen werde. Diese könne jahrhundertelange Gegnerschaften überwinden. Das inzwischen vertraute Bild der deutsch-französischen Partnerschaften sei durch Erinnerungen an Blaskapellen, Umzüge, kulinarische Begegnungen, Fußballspiele, Weihnachtsmärkte und Busreisen geprägt worden. Angesichts leichter Mobilität, besserer Kommunikationsmöglichkeiten und vielfältigen Beziehungen sei es nun notwendig, zu den Wurzeln der Partnerschaften zurückzukehren, um ihren ganzen Reichtum neu sichtbar zu machen. Das sei das Ziel des Deutsch-Französischen-Partnerschaftspreises.
Sollten immer noch manche an der Vitalität der Partnerschaften zweifeln, werde damit der deutlichste Gegenbeweis erbracht, sagte Larcher. Bei dieser ersten Ausgabe des Preises sei es schwierig gewesen, unter den 220 Bewerbungen die besten auszuwählen und andere auf weitere Ausgaben zu vertrösten.
Am Ende sprach Larcher noch den Wunsch aus, dass bei der nächsten Ausgabe des Preises, der ja das Ergebnis einer beidseitigen Dynamik sei, der deutsche Bundesrat und der französische Senat die Sieger gemeinsam auswählen und auszeichnen sollte.
Trinationale Verbindungen spielen große Rolle
Bei seiner Ansprache in Bezug auf Gerstetten und Cébazat erwähnte der Senatspräsidenten explizit auch die trinationale Verbindung und die Aktivitäten der Partnergemeinden mit dem ungarischen Pilisvörösvar. Somit ist dies auch eine Auszeichnung für das Trina-Orchester, das seit mehr als 15 Jahren an die 100 junge Musikerinnen und Musiker aus den drei Gemeinden zusammenführt und in den Partnerstädten Konzerte veranstaltet.
Auch die trinationalen Camps für Jugendliche, die schon seit 1997 stattfinden, sind wohl maßgeblich mit für die Auszeichnung verantwortlich. Zudem kommen die Bürgermeister der drei Gemeinden bei Jubiläen, Feiertagen, Veranstaltungen in kleineren Delegationen zusammen, um die Freundschaft zu pflegen.
Aktivitäten der Partnergemeinden
Laut der Einschätzung von Peter Maier tragen die regelmäßigen Bürgerfahrten zwischen Cébazat und Gerstetten die Verbindung in die Bevölkerung und beziehen auch andere Vereine mit ein, immer mit einem Programm, das den Besuchern die Besonderheiten der jeweiligen Gemeinde und Umgebung näherbringen will. Die Beherbergung in Gastfamilien könne als wesentlicher Beitrag zur Freundschaftsbildung und Kennenlernen gelten.
Durch die Preisverleihung, so Maier weiter, werde der Einsatz vieler Beteiligter auf unterschiedlichen Ebenen, zum Beispiel durch Freundschaften von Familien, Schulkontakte, Begegnungen von Vereinen, Ausstellungen und gemeinsame Komiteetreffen, gewürdigt. Doch nicht zuletzt sei es der Verdienst all jener Personen, die als Verantwortliche in den Komitees und durch persönliches Engagement die „Jumelage“ ins Leben gerufen und erhalten haben.
Besonderes Rahmenprogramm
Nach dem inhaltlichen Teil der Veranstaltung erhielten in einer feierlichen Zeremonie Bürgermeister Flavien Neuvy, Komiteemitglied Joseph Chalencon, Komiteevorsitzender Peter Maier und die Vertreterin des Gerstetter Bürgermeisters und Gemeinderätin Elisabet Ablasser Urkunden und Medaillen.
Anschließend ermöglichte Flavien Neuvy durch seine Kontakte zu den Senatoren eine Führung im imposanten Senatsgebäude des Palais du Luxembourg. Die wundervollen Säle, Bibliotheken, Arbeitszimmer und Einblicke in die Tagung des Senats im einstigen königlichen Schloss werden den Gerstettern wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Der Besuch des Jardin du Luxembourg und ein Bummel im Quartier rundherum rundeten den Parisaufenthalt ab. Und schließlich brachten die Metro und der TGV die Gerstetter am Abend wieder nach Hause.

