Was ist ein Hudlawisch? Diese doch recht spezifische Frage nach einem Putzwerkzeug für den Ofen konnte am Freitagabend im Kulturhof Erpfenhausen von einem Besucher beantwortet werden. Thomas Grüninger, früherer HZ-Redakteur und Autor des Buchs „Die Matratze von Erpfenhausen“, hatte bei seiner Lesung ein größtenteils sachkundiges Publikum, zumindest was die schwäbische Sprache angeht. Für die wenigen Nicht-Muttersprachler gab es viele Erläuterungen, nicht nur zum Idiom, sondern auch zur Wesensart der Landkreisbewohner.
Die Wiege der Dichtkunst
Thomas Grüninger, der aus Steinheim stammt, lebt seit vielen Jahrzehnten in Gerstetten und hatte so ein Heimspiel in Erpfenhausen. Der kleine Ort ist aber gewissermaßen auch die Wiege seiner Dichtkunst: Das Foto einer Matratze, die in Erpfenhausen im Sommer 2009 auf der Straße lag, inspirierte ihn zu seinem ersten gereimten Gedicht, das in der Heidenheimer Zeitung veröffentlicht wurde.
Am Freitagabend diente passenderweise eine Matratze, die von Kulturhof-Betreiber Benny Jäger aufgehängt worden war, als Bühnenschmuck – und es kam zu einer Enthüllung: Seine Frau Sonja Banzhaf verriet, dass es höchstwahrscheinlich Jäger selbst war, der eine Matratze auf der Straße verloren hatte. Was für ein Glück für alle, die am Freitag dabei waren: Vielleicht wäre das humoristische Talent von Thomas Grüninger ohne die Matratze nie auf eine Bühne gekommen.
Dialekt ist Identität
So aber erlebten die rund 80 Besucherinnen und Besucher eine höchst vergnügliche Veranstaltung, bei der sich die gezeigten Beobachtungen in Bildern, Grüningers Erläuterungen und die vorgetragenen Gedichte vortrefflich ergänzten. Die schwäbische Mundart spielte eine nicht unerhebliche Rolle. „Dialekt bedeutet für mich auch Identität“, so Grüninger, der auf sehr sympathische Art zeigte, wie treffend, vielschichtig und charmant das Ostalb-Schwäbische sein kann.
Das Buch „Die Matratze von Erpfenhausen“ ist im Pressehaus Heidenheim oder online auf hz-shop.de erhältlich.

