Medizinische Versorgung

Kurz vor der ersten Sprechstunde: Wie in Dettingen die neue Arztpraxis eingeweiht wurde

Innerhalb eines halben Jahres wurde das ehemalige Rathaus in Dettingen renoviert und bietet nun einer Arztpraxis sowie der Ortschaftsverwaltung Platz.

Normalerweise geht es in der Dettinger Peterskirche eher um die spirituelle Gesundheit und weniger um die körperliche. Am Sonntag war das allerdings anders: An jenem Tag wurde die Kirche nach dem Gottesdienst zum Saal für die feierliche Eröffnung einer neuen Allgemeinarztpraxis. Aufgrund der Nähe der Kirche zum ehemaligen Rathaus, das jetzt die Praxis beherbergt, dem großen Andrang interessierter Bürgerinnen und Bürger und sicherlich auch wegen der winterlichen Temperaturen, bot es sich an, die Reden in der beheizten Kirche anzuhören.

Dr. Klaus Kumpe sprach stellvertretend für die fünf Ärztinnen und Ärzte und 19 Teammitglieder von „Allgemeinmedizin auf der Alb“, ehemals „Allgemeinmedizin Altheim/Alb“. Die Dettinger Praxis wird ab Januar als Zweigstelle der Gemeinschaftspraxis betrieben. Das liegt nahe, denn wie Kumpe erklärte, kamen bereits vor der Neueröffnung circa ein Drittel der Patientien, um die sich das Team kümmert, aus Dettingen und Umgebung.

Kumpe ging zunächst auf die Vorgeschichte der Eröffnung ein: Nachdem das Ärzteehepaar Palzer im Jahr 2021 seine Praxis geschlossen hatte, gab es vor Ort in Dettingen keine allgemeinmedizinische Versorgung mehr. Ein Umstand, den Kumpe gerne ändern wollte, zumal die Räumlichkeiten in Altheim für das wachsende Team ohnehin zu klein wurden.

Ein Blick in den Empfangsbereich der neuen Arztpraxis im Erdgeschoss des Gebäudes. Dennis Straub

Im Gespräch mit der Gerstetter Verwaltung und Bürgermeister a. D. Roland Polaschek sei dann Ende 2024 aus ersten Ideen ein konkreter Plan für Dettingen geworden, erinnert sich Kumpe. „Ich erinnere mich auch noch genau an die zweifelnden Augen der Bauamtsmitarbeiter, als ich sagte, dass ich im Januar die erste Sprechstunde abhalten will“, sagte Kumpe mit einem Lachen. Doch nun sei der Januar angebrochen, und am Montag werde man zum ersten Mal Patienten empfangen.

Kumpe verglich das Bauprojekt mit den ganz großen Unternehmungen in der Bundesrepublik: In Berlin, einer Stadt mit 3,7 Millionen Einwohnern, habe man neun Jahre länger als ursprünglich geplant am neuen Flughafen gebaut. In Stuttgart mit seinen 600.000 Einwohnern „kommen die Züge und der neue Bahnhof viel zu spät“. Dettingen dagegen sei klein, aber hier habe man „ganz schwäbisch im Zeitplan geschafft“.

Dafür seien nicht nur Bauunternehmen und Planer verantwortlich, sondern auch Polaschek, der die Bedürfnisse vor Ort wahrgenommen und die Planungen beauftragt habe, sowie sein Nachfolger Matthais Heisler, der das Projekt ohne jegliche Verzögerungen aufgenommen und weitergetragen habe. „Morgen kann die Sprechstunde in Dettingen nach fast fünf Jahren Pause wieder beginnen“, sagte Kumpe abschließend.

Gerstettens Bürgermeister Matthias Heisler (links) mit Allgemeinarzt Klaus Kumpe. Dennis Straub

Matthias Heisler begann seine Rede damit, den Anwesenden ein gesundes neues Jahr zu wünschen, mit dem Hinweis darauf, dass, wenn es doch mal Probleme mit der Gesundheit gebe, nun wieder eine Arztpraxis im Ort vorhanden sei. Das renovierte Gebäude, das im Erdgeschoss die Praxis und im Obergeschoss Räume für die Ortschaftsverwaltung enthält, sei „ein Ort, der Verwaltung, medizinische Versorgung und Begegnung verbindet“.

Die Sanierung des ehemaligen Rathauses sei dem Dettinger Ortschaftsrat lange Zeit ein großes Anliegen gewesen. Durch das Zusammenlegen zweier Wünsche habe man sie nun anpacken können, so Heisler weiter. Circa 1,3 Millionen Euro haben die energetische Sanierung, der barrierefreie Umbau und das Anlegen von neuen Parkplätzen letztlich gekostet, ein Anteil von 500.000 Euro konnte mit Fördermitteln des Landes finanziert werden.

All das musste innerhalb von sechs Monaten geschehen: Im Sommer 2025 begannen die Arbeiten, bis zum Wintereinbruch mussten sie erledigt sein. Dafür seien viel Verlässlichkeit und Vertrauen bei allen am Bau beteiligten Parteien nötig gewesen. Stolz ist Heisler darauf, dass die Projekt- und Bauleitung vollständig in der Gemeindeverwaltung blieben; er dankte deshalb auch Ortsbaumeister Bernd Müller und Arnd Hahn. Den Medizinern um Kumpe dankte er für „einen wichtigen Beitrag zur Versorgung Dettingens und der Region“.

Gesundheitsversorgung beschäftigt alle Verwaltungsebenen

Matthias Schauz, der Leiter des Dezernats Soziales und Gesundheit am Landratsamt, sprach ebenfalls von einem „sehr guten Tag für Dettingen, Gerstetten und den Landkreis Heidenheim“. Auf die Gesundheitsversorgung im Landkreis und in Deutschland würden viele Faktoren einwirken, etwa der Fachkräftemangel, der Trend zur Teilzeitarbeit und die demografische Entwicklung.

In der Konsequenz habe man im Landkreis Heidenheim einen sinkenden Versorgungsgrad: Die Kassenärztliche Vereinigung gehe von einem Soll-Niveau aus, bei dem ein Hausarzt auf 1600 Einwohner kommt. Basierend darauf, so Schauz, habe sich der Versorgungsgrad im Landkreis von 110 Prozent im Jahr 2017 auf 86 Prozent heute verschlechtert.

Um diese Lage zu verbessern, habe der Kreistag ein Strategiekonzept beschlossen und arbeite auch an einem Masterplan für die Gesundheitsvorsorge. Zwar könne die Landkreisverwaltung „weder Praxen bauen noch Ärzte herbeizaubern“, so Schauz, „aber wenn der Landkreis für Ärzte attraktiv bleibt, sind wir auf einem guten Weg.“

Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung gab es für alle Anwesenden dann die Gelegenheit, mit einem Glas Sekt in der Hand die Räumlichkeiten der Arztpraxis und die noch leeren Räume der Ortschaftsverwaltung zu besichtigen. Am Montag werden dort dann die ersten Patienten erwartet.