Die 35. Auflage zur Verleihung des „Preises der Gerstetter Wirtschaft“ vereinte Premiere und Abschied: Während Bürgermeister Matthias Heisler im voll besetzten Stucksaal des Bahnhotels am vergangenen Freitagabend erstmals die Besucherinnen und Besucher begrüßte, nahm der Stiftungsvorsitzende Jürgen Truckenmüller nach 15 Jahren in dieser Funktion letztmals die Ehrung vor. Der Vorstand wählte seinen Sohn Tobias zum Nachfolger.
„Women in Tech”
Im Mittelpunkt der traditionellen Veranstaltung standen freilich andere Personalien: Drei junge Frauen und ein Mann durften sich über Auszeichnungen für besondere Leistungen in Studium oder Ausbildung freuen. Insgesamt hatten sich neun Personen beworben.
Der erste Preis ging an Anja Zimmermann. Die 27-Jährige berichtete in ihrer Kurzvorstellung, dass sie am Tag nach der Ehrung bereits wieder nach Malaysia fliege. Seit 2025 arbeitet Anja Zimmermann bei Porsche und ist in diesem asiatischen Land Teil eines Projektes zur internationalen Auftragsfertigung.
Nur einen Steinwurf vom Ehrungsort entfernt (in der Karlstraße) stand das Elternhaus der Preisträgerin. Ihr Abitur am Schillergymnasium in Heidenheim bestand sie mit der Note 1,1. Das Bachelorstudium zum Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau an der DHWB Stuttgart beendete sie zusammen mit der Porsche AG als Kursbeste mit der Abschlussnote 1,3. Es folgte ein berufsbegleitendes Masterstudium im Wirtschaftsingenieurwesen an der Uni Aachen, das sie mit 1,0 mit Auszeichnung abschloss. Sie erhielt das „Women in Tech“-Stipendium.
Zwei zweite Preise
Gleich zwei zweite Preise vergab die Jury in diesem Jahr, was Jürgen Truckenmüller als „eindeutiges Indiz für die Leistungsdichte der eingegangenen Bewerbungen“ wertete. Aus Heldenfingen stammt Amelie Sophie Großhans. Die 26-Jährige schloss nach dem Abitur am Schillergymnasium ihr Diplomstudium Zahnmedizin an der Universität Innsbruck als Dr. med. dent. ab. Ihre Diplomarbeit befasste sich mit dem Thema „Führen Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren ausreichende kariesprophylaktische Maßnahmen durch?“ und wurde mit sehr gut bewertet.
Parallel schloss sich für Amelie Sophie Großhans seit Oktober 2023 ein Diplomstudium Humanmedizin an der Universität Innsbruck an, das sie mit dem zweiten Doktortitel im August dieses Jahres abschließen möchte. Im Fachbereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sieht sie ihren künftigen beruflichen Schwerpunkt.

Ebenfalls über den zweiten Preis durfte sich Sarah Beatrice Szabo freuen. Sie ist 28 Jahre alt und absolvierte ihr Abitur ebenfalls am Heidenheimer Schillergymnasium. Die Gerstetterin wohnt mittlerweile in Stuttgart. An der Universität der Landeshauptstadt schloss sie ihr Bachelorstudium in Umweltschutztechnik mit der Note 2,1 ab. Die Bachelorarbeit wurde mit 1,0 bewertet. Darüber hinaus absolvierte sie ein Masterstudium in Verkehrsingenieurswesen ebenfalls an der Uni Stuttgart mit der Abschlussnote 1,2 mit Auszeichnung. Für die Masterarbeit erhielt sie die Note 1,0. Seit November 2024 ist sie als Abrechnerin bei der Leonhard Weiss GmbH & Co. KG beschäftigt.
Musikalischer Schwerpunkt
Eine ganz andere berufliche Richtung schlug Andreas Schmid ein, der mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde. Der 33-jährige Gerstetter, der ursprünglich aus Großkuchen stammt, hat sich der Musik verschrieben. Nach dem Abitur am Werkgymnasium Heidenheim erwarb er an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz den „Bachelor of Music“ Jazz/Popp im Hauptfach Jazz-Kontrabass mit der Abschlussnote 1,3. Das Masterstudium Jazz Education (Hauptfach Kontrabass) beendete er an der Hochschule für Musik und Theater in München mit 1,2. Die Masterarbeit zum Thema „Mentales Üben für Musizierende“ wurde mit 1,4 bewertet.
Andreas Schmid betreibt in Gerstetten eine private Musikschule mit angeschlossenem Tonstudio. Er arbeitet in Teilzeit als Musiklehrer an der Realschule Steinheim. Weil er fürs Lehramt ein zweites Studienfach benötigt, begann er zusätzlich ein Maschinenbau-Studium, das er in Kürze abschließen möchte.
Besonderer Wert der Auszeichnung
Bürgermeister Heisler betonte, dass die Auszeichnungen „weit mehr als eine Urkunde“ seien. Vielmehr handle es sich um ein „sichtbares Zeichen der Anerkennung, verbunden mit einer klaren Botschaft: Leistung lohnt sich. Engagement wird gesehen. Und Zukunft entsteht durch persönliche Entwicklung.“ Den „Preis der Gerstetter Wirtschaft“ bezeichnete er als „kleinen Nobelpreis“.
Landrat Peter Polta betonte ebenfalls die Außenwirkung der Veranstaltung. Die Verleihung sei „ein starkes Signal der Anerkennung für junge Menschen“, wobei neben der fachlichen Kompetenz auch die soziale Komponente ein wichtiges Kriterium sei. Musikalisch umrahmt wurde die Feier mit Musikstücken des Duos Tessa Cikos (Querflöte) und Kyoko Kanasawa (Klavier) sowie des Klarinetten-Trios Anna Schneider, Hanna Talitha Lühr und Christian Böttcher.
Auf Truckenmüller folgt Truckenmüller
Nach 18 Jahren im Vorstand und davon 15 Jahren als Vorstandsvorsitzender der Stiftung habe er sich aus privaten Gründen entschieden, nicht noch einmal zur Wiederwahl anzutreten, sagte Jürgen Truckenmüller. „Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, denn die Arbeit für diese Stiftung war mir immer eine Herzensangelegenheit.“
Zum Nachfolger wählten die Vorstandsmitglieder Truckenmüllers Sohn Tobias, Geschäftsführer der T+H Metallwarenfabrik GmbH. Bürgermeister Heisler bedankte sich bei Jürgen Truckenmüller für dessen jahrelanges Engagement und hieß seinen Nachfolger willkommen. Besondere Erwähnung fand auch Erika Schiele, die seit Jahren die Preisverleihung organisiert und den Vorstand tatkräftig unterstützt.

