Geburtstag

Der Gerstetter Zimmerpolier Karl Banzhaf ist 90 Jahre alt geworden

Ungefähr 300 Richtsprüche hielt Karl Banzhaf im Laufe seines langen Berufslebens. Etwa auf dem Dach des Pumpwerkes im Filstal, ebenso wie beim Richtfest für das Feuerwehrgerätehaus in Gerstetten.

Auf  90 Lebensjahre konnte jetzt der Gerstetter Zimmerpolier Karl Banzhaf zurückblicken. Gesundheitlich gehe es ihm soweit ordentlich, bekannte der Jubilar an seinem Ehrentag vor Verwandten und Bekannten. Freilich spüre er 48 harte Berufsjahre  in seinen Gliedern. Der Tod seiner Ehefrau Hilde, die ihn im März 2018 verließ, belaste ihn. Aus der Ehe mit ihr gingen zwei Söhne hervor. Einer von ihnen, Uwe, starb vor sieben Jahren an einer unheilbaren Krankheit. Mit diesem Schicksalsschlag hat der Jubilar auch heute noch zu kämpfen.

Geboren und aufgewachsen ist der Karl Banzhaf  unter vier Geschwistern in der Alleestraße. Als 14-Jähriger fasste er, nach dem Besuch der  Volksschule in Gerstetten, den Entschluss, Zimmermann zu werden. Die nötigen Lehrmeister fand er bei der Gerstetter Firma Georg Jooss KG, wo er im September 1953 die Gesellenprüfung ablegte und 1971 angesichts seines organisatorischen Geschicks und seiner zupackenden Art  zum Zimmerpolier avancierte. Einfach war die vorangegangene Prüfung nicht. Begriffe wie Statik, Dachwerk und  Gebinde aber waren ihm längst vertraut. Höhenangst  gab es für ihn nicht. Gerne ging er mit Zollstock und Langmaß um, denn alles musste seine Ordnung haben. Angesichts seiner Sorgfalt und seiner Verdienste um das Bauwesen wurde ihm 1990 die Landesverdienstmedaille verliehen.

Feuerprobe 1950 am Turm der Nikolauskirche

Die Feuerprobe bestand er schon 1950, als er als junger Geselle, in 40 Meter Höhe das Gerüst am Turm der Gerstetter Nikolauskirche stabilisieren musste. Damals, so erinnert er sich, gab es noch Stangengerüste aus Holz. Später ersetzten Stahlrohre die schwankenden Rundhölzer.

Jeweils nach Fertigstellung eines Rohbauwerks hatte ihn der  Firmeninhaber beauftragt, hoch oben im Dachgebälk den Richtspruch zu halten. „Mit Gunst und Verlaub“ lautete die Eingangsformel, dies auf dem Dach des Pumpwerkes im Filstal, ebenso wie beim Richtfest für das Feuerwehrgerätehaus in Gerstetten. Dreihundertmal, so schätzt er, habe er aus luftiger Höhe dem  alten Brauch folgend, mindestens 300 Trinkgläser zerschmettert.

Neben den Gratulanten besuchte ihn am Ehrentag auch Bürgermeister Matthias Heisler. Er kennzeichnete den Jubilar als einen vorbildlichen Handwerker und würdigte die Umsicht, mit der Banzhaf stets zu Werke ging.