Dass Gebäude baufällig werden, ist nichts Neues. Gerade in die Jahre gekommene Häuser weisen großen Sanierungsbedarf auf. Dass jedoch der Dachstuhl eines erst 13 Jahre alten Gebäudes so marode ist, dass er komplett erneuert werden muss, verdient eher das Prädikat „skurril“ – und ist aktuell beim Awo-Altenzentrum in Dischingen der Fall. Bei Awo-Geschäftsführer Arnd von Boehmer stößt dies auf erheblichen Unmut. Die Rede ist von Pfusch der beauftragten Baufirma.
Zufällige Entdeckung der baulichen Mängel
Doch nur weil Awo draufsteht, steckt nicht ausschließlich Awo drin: Der Gebäudekomplex an der Dischinger Turnstraße gehört einer Eigentümergemeinschaft, an der die Arbeiterwohlfahrt etwas mehr als 50 Prozent der Anteile hält. Die Pflegeeinrichtung befindet sich im Erdgeschoss, während im Obergeschoss Eigentumswohnungen von Privatpersonen liegen, die die übrigen Anteile besitzen.
Gemeinsam mit diesen Privateigentümern gab die Awo vor rund 14 Jahren den Bau in Auftrag. 2012 wurde das Gebäude eingeweiht. Die Jahre verstrichen – ebenso wie die fünfjährige Gewährleistungsfrist der damals beauftragten Baufirma. „Im Moment sind wir dabei, unsere Objekte mit PV-Anlagen auf den Dächern auszustatten“, erklärt Arnd von Boehmer, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt des Kreisverbandes Heidenheim. „Das hatten wir auch in Dischingen vor und mussten bei der Begehung im Vorfeld feststellen, dass das Gebäude einen massiven Dachschaden hat.“
Dach muss „ausgetauscht“ werden
Laut von Boehmer sei beim Bau des Gebäudes massiv gepfuscht worden. Es handelt sich um ein leicht geneigtes Pultdach, das mit mehreren Folienschichten abgedeckt wurde – eine Dachart, die eher im gewerblichen Bereich üblich ist. Laut von Boehmer war man bei der damaligen Planung, an der er selbst nicht beteiligt war, der Ansicht, dass diese Konstruktion auch für Wohngebäude geeignet sei.

Nach Aussage von Matthias Ziegler, dem heute verantwortlichen Bauherren und Geschäftsführer von M2 Consult, hätte in solchen Fällen eine Hinterlüftung eingebaut werden müssen, um warme Luft aus den Wohnungen nach oben abzuleiten. Wie sich später herausstellte, wurde diese zwar von der Baufirma eingebaut, aber nicht korrekt umgesetzt, sodass sich warme Luft unter dem Dach sammelte und das Tragwerk des Daches beschädigte. „Durch die fehlende Entlüftung ist der Dachaufbau so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass wir im Prinzip das Dach austauschen müssen“, sagt von Boehmer.
Konsequenzen für die Bewohner
Die einzig gute Nachricht: Die Pflegeeinrichtung ist von den Sanierungsmaßnahmen nicht betroffen. „Die Bewohnenden des Pflegezentrums bekommen außer von ein paar Gerüsten um das Gebäude herum nicht viel davon mit“, sagt von Boehmer. Für die Privateigentümer im Obergeschoss sieht es jedoch anders aus: Einige Wohnungen müssen sogar vorübergehend geräumt werden. „Bei manchen Wohnparteien könnte man nun nachts vom Sofa aus die Sterne zählen“, so der Awo-Geschäftsführer, der die Lage der Eigentümergemeinschaft bedauert: „Solch ein Pfusch ist absolut vermeidbar und extrem ärgerlich.“
Die Kosten für die Sanierung müssen die Eigentümer selbst tragen. „Wir haben den Sachverhalt rechtlich prüfen lassen. Durch den Ablauf der Gewährleistung gibt es da nichts zu machen“, erklärt von Boehmer. Der Anteil der gemeinnützigen Organisation beläuft sich dabei auf einen sechsstelligen Betrag. Etwa denselben Anteil müssen auch die privaten Teileigentümer aufbringen. Von der beauftragten Baufirma fließt kein Cent in die Sanierung.
Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange. Ein Ende der Baumaßnahmen ist noch nicht absehbar, da die wechselhaften Wetterbedingungen der vergangenen Wochen den Fortschritt erheblich erschwert haben. „Hier erfolgt quasi eine Operation am offenen Herzen. Wenn das Wetter hält, kann man mit einem Ende der Sanierung ungefähr Ende September rechnen“, sagt Ziegler, setzt aber optimale Baubedingungen voraus. Der Frage, warum nicht die damals engagierte Baufirma für die Renovierung beauftragt wurde, konnte von Boehmer nur ein müdes Lachen entgegenbringen: „Das beantwortet sich von selbst. Engagieren würden wir diese Firma nicht nochmal.“