Kabarett bei Freunde schaffen Freude

Wie Philipp Weber eine Achterbahnfahrt auf der Arche in Dischingen hinlegte

Im Rahmen von „Kultur in der Arche“ fand der Kabarettist Philipp Weber den Weg nach Dischingen, um dort sein aktuelles Programm „Power To The Popel“ vorzustellen. Zum Vergnügen der Zuschauer.

„Power To The People - Alle Macht dem Volke“ ist ein kultureller Ausdruck und politischer Slogan, welcher als Form der Rebellion gegen die Unterdrückung gilt oder eben das, was die Bevölkerung gemeinhin als ungerecht empfindet. Philipp Weber formte daraus seine ganz eigene Parole mit dem Titel „Power To The Popel“. Klingt nach Polit-Satire der unappetitlichen Art und in der Tat hatte Weber einiges über unsere aktuellen politischen Entwicklungen und Gesinnungen zu erzählen – überraschenderweise nicht nur Gutes.

Vom Chemiker zum Komiker

Entweder hatte Philipp Weber einen besonderen Zaubertrank erwischt oder seinen Akku am Starkstrom aufgeladen. Der Kerl legte in einem irrwitzigen Tempo los, dass einem Hören und Sehen vergehen konnte. Wahnsinn.

Und auch inhaltlich glich sein Programm einer wahren Achterbahnfahrt. War der Einstieg mit den Themen Wappen und Fluggesellschaften noch eher leichtverdaulich (im wahrsten Sinne des Wortes), kamen bei der Diskussion über den Lehrermangel einige unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht, insbesondere für die im Publikum anwesenden Lehrkräfte. Getreu dem Motto „Bildung ist gut, Bizeps ist guter“ krempelte sich Weber immer wieder die Ärmel seines Pullovers hoch. Die Feststellung, dass es im Klassenzimmer keine dummen Fragen gibt, sondern lediglich beim Elternsprechtag, fehlte nicht.

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Und weiter ging es mit markanten Aussagen der Marke Weber. „Enthauptung ist wie Yoga – es macht den Kopf frei“ und „ein Volk heißt Volk, weil es folgt“ – direkter geht es kaum. Mit seinem demokratiemüden Nachbarn Herbert diskutierte er über die Bündnis 90/Grünen-Partei. Aber nicht nur unser Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck bekam ein paar ordentliche Seitenhiebe ab; auch die Kollegen Markus Söder, Olaf Scholz oder Ursula von der Leyen gerieten verstärkt in den Mittelpunkt. Wenig überraschend stellte Philipp Weber auch den Sinn von Wahlen infrage und untermalte seine These reichlich plakativ.

So kam es, wie es kommen musste: Weber adoptierte kurzerhand beim Tierhändler seines Vertrauens sein eigenes Ameisenvolk mitsamt Königin und erläuterte deren diffizile Work-Life-Balance. Und was wir schon immer ahnten, aber nie auszusprechen wagten: Eine funktionale Demokratie benötigt Ehrenämter. Als Kassenwart vom lokalen Swingerclub erläuterte Weber die Vor- und Nachteile von Sommer- und Winterfesten. Wenig überraschend, dass bei seinen verbalen Ausführungen die FSK 18-Grenze kein Tabuthema war.

Zum Schluss stellte Weber fest, dass Empathie der Schlüssel zur Gleichheit ist und präsentierte im Zugabenteil als Gott-Verschnitt seine zwei Gebote (auf die guten alten Steintafeln zu schreiben ist eben doch etwas anstrengender, als diese in den Laptop einzutippen oder auf ein Stück Papier zu schreiben) und fünf weitere Witze. Mit den Worten "Gute Nacht, mein Volk" verabschiedete sich Weber von seinem Publikum.

Wortspiele rund um das Staatswesen

Philipp Weber zog sein fulminantes Tempo bis zum Schluss durch. Er war schrill, emotional, direkt und durchaus herausfordernd. Das stellte auch Inge Grein-Feil nach dem Ende des Auftritts mit den Worten „jetzt muss ich mich erst mal erholen“ fest. Gut austarierte Wortspiele und bissige Gesellschaftskritik durchzogen das Programm des Mannes mit dem Pferdeschwanz. Die Gagdichte war enorm hoch und wenn auch nicht jeder Witz ins Schwarze traf, so bescherte Philipp Weber seinen Gästen einen abwechslungsreichen, amüsanten und denkwürdigen Abend.

Mit zahlreichen Preisen

Philipp Weber wurde 1974 im unterfränkischen Miltenberg geboren und wuchs in Amorbach im idyllischen Odenwald auf, den er an diesem Abend ganz gerne in den Mittelpunkt stellte. Er studierte Biologie und Chemie und wurde über die vielen Jahre seiner Bühnenpräsenz mit zahlreichen Preisen überhäuft. Zu seinen Programmen zählen unter anderem „KI: Künstliche Idioten!“ oder „Futter – streng verdaulich!“ und nun sein neuester Streich „Power To The Popel“.

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