Leserbrief

Therapievielfalt sollte erhalten bleiben

Leserbrief zur geplanten Reform der gesetzlichen Krankenversicherung

Im Zuge der geplanten Reform der gesetzlichen Krankenversicherung wird derzeit darüber diskutiert, Leistungen der Homöopathie und anthroposophischen Medizin aus dem Erstattungskatalog zu streichen. Doch dabei geht es um weit mehr als nur um einzelne Therapieformen. Es geht um die Frage, welche Medizin wir künftig wollen. Homöopathie und anthroposophische Medizin stehen seit jeher auch für „sprechende Medizin“: Zeit für Gespräche, persönliche Zuwendung und eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten. Gerade das fehlt vielen Menschen heute in einem Gesundheitssystem, das zunehmend von Zeitdruck und wirtschaftlichen Interessen geprägt ist.

Dabei wird oft verschwiegen: Homöopathie und anthroposophische Medizin verursachen lediglich rund 0,03 % der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen beziehungsweise etwa 53 Cent pro versicherte Person im Jahr. Sie sind ganz sicher nicht der Grund für die massiven Finanzprobleme unseres Gesundheitssystems. Natürlich wird immer wieder mit dem Argument der fehlenden Evidenz gearbeitet. Doch die wissenschaftliche Diskussion über Homöopathie und komplementärmedizinische Verfahren ist keineswegs so eindeutig, wie oft dargestellt wird. Mittlerweile liegen Studien und Forschungsansätze vor, die positive Wirkungen und patientenrelevante Effekte belegen.

Wissenschaft lebt von Offenheit, Weiterentwicklung und kritischem Diskurs – nicht von vorschneller ideologischer Ausgrenzung. Auffällig ist vielmehr, dass gerade kostengünstige komplementärmedizinische Verfahren immer wieder infrage gestellt werden, während milliardenschwere Interessen der Pharmaindustrie kaum kritisch diskutiert werden. Viele Menschen haben inzwischen den Eindruck, dass sich politische Entscheidungen im Gesundheitswesen zunehmend den Interessen der Pharmalobby unterordnen. Therapievielfalt einzuschränken, stärkt am Ende vor allem ein System, in dem Gesundheit zunehmend zum Markt wird. Viele Menschen wünschen sich kein Gegeneinander von Schulmedizin und Naturheilkunde, sondern ein verantwortungsvolles Miteinander verschiedener medizinischer Ansätze. Gesundheit braucht Vielfalt, Wahlfreiheit und Menschlichkeit.

Deshalb sollte Therapievielfalt erhalten bleiben – und unabhängige Forschung weiter gefördert werden, statt bewährte komplementärmedizinische Verfahren vorschnell auszugrenzen. Wir sind Millionen. Also zeigen wir uns und unterstützen die Aktion von „weil’s hilft“. Bereits 2024 konnte durch eine der erfolgreichsten Bundestagspetitionen verhindert werden, dass die damaligen Pläne des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach zur Streichung dieser Leistungen umgesetzt wurden.

Mario Hopp, Heilpraktiker, Dischingen-Eglingen