Hoffnung auf Fördermittel

Sanierung der Alten Schule in Ballmertshofen sorgt für Diskussionen

Die Alte Schule in Ballmertshofen soll saniert werden. Während der Gemeinderat darüber abstimmen sollte, ob dafür Fördermittel des Landes beantragt werden sollen, entstand eine hitzige Diskussion über die Nutzung des Gebäudes.

Dass die Gemeinde Dischingen die Alte Schule in Ballmertshofen sanieren möchte, ist kein Geheimnis. Schließlich tauchen seit dem Jahr 2021 regelmäßig Planungskosten für das Projekt im Haushalt der Gemeinde auf. Doch über die Planungen hinaus ist bislang wenig passiert. Nun soll mithilfe von Fördermitteln der Schritt von der Theorie in die Praxis gelingen, damit die Begegnungsstätte des Ortes zeitgemäß aufgewertet werden kann. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates sorgte der entsprechende Tagesordnungspunkt jedoch auch für heftige Diskussionen unter den Räten.

Was gemacht werden soll

Doch was genau soll saniert werden? Ortsbaumeister Markus Speier präsentierte die vorläufigen Pläne der Verwaltung für das in die Jahre gekommene Gebäude am Schlossgarten, in dem sich Mehrzweck- und Veranstaltungsräume sowie Räumlichkeiten für die Ortschaftsverwaltung und eine Kinderkrippe befinden. Besonders baufällig sei das Dach, das zudem energetisch aufgewertet werden müsse. Im gesamten Gebäude seien seit seiner Errichtung in den 1960er-Jahren lediglich kleinere Sanierungsarbeiten vorgenommen worden. So stehe heute im Herzen des Ortes ein Zeitzeuge des Funktionalismus – neben dem Brutalismus einer der prägenden Baustile der Nachkriegszeit.

Zur umfassenden energetischen Sanierung seien außerdem Arbeiten an der Außen- und Innenfassade erforderlich. Darüber hinaus müssten die sanitären Einrichtungen sowie die Heizungs- und Lüftungsanlage erneuert oder teilweise vollständig ausgetauscht werden. Auch Maßnahmen an der Elektrik und der Medientechnik seien vorgesehen, ebenso die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sowie im Außenbereich des Gebäudes. „Insgesamt sind hierfür Kosten in Höhe von rund 1,378 Millionen Euro veranschlagt“, erklärte Speier. Im Haushaltsplan 2026 ist dafür bislang ein Ansatz von 400.000 Euro vorgesehen.

Wie bereits in den vergangenen Jahren hofft die Gemeindeverwaltung auf Fördermittel aus dem Programm „Entwicklung Ländlicher Raum“ (ELR) des Landes. Der entsprechende Antrag musste bereits im September gemeinsam mit einem Planansatz für ein potenzielles Bauvorhaben eingereicht werden. Dies sei laut Speier form- und fristgerecht erfolgt. Eine Entscheidung wird voraussichtlich im März erwartet; bis dahin bleiben die Pläne rein förmlicher Natur.

Diskussion um Kosten und Ertrag

Der eigentliche Tagesordnungspunkt war jedoch die Frage, ob die Gemeinde zusätzlich einen Antrag auf Mittel aus dem Ausgleichsstock des Landes für die Sanierung der Alten Schule stellen solle. Dieser Antrag müsse bis Ende des Monats eingereicht werden, weshalb eine Entscheidung in der Januarsitzung notwendig war. Wie Bürgermeister Dirk Schabel erläuterte, habe die Gemeinde im vergangenen Jahr bereits bewilligte Fördermittel zurückgeben müssen, nachdem der geplante Rathausneubau in Dischingen durch einen Bürgerentscheid gestoppt worden war. Man müsse nun genau abwägen, ob erneut Fördermittel beantragt werden sollen, da eine weitere Nichtumsetzung die Förderwürdigkeit der Gemeinde künftig erheblich beeinträchtigen könnte.

„Wir müssen mit Weitsicht agieren. Wie sieht die zukünftige Nutzung des Gebäudes aus?“, fragte Silvio Mundinger (ÖDP). Der Gemeinderat stellte infrage, ob eine nachhaltige Nutzung der Alten Schule überhaupt gegeben sei. „Ich habe das Gefühl, wir machen das nur, um einen Antrag auf den Ausgleichsstock zu stellen“, so Mundinger. Zudem fragte er, was mit den Räumlichkeiten im Erdgeschoss geschehen solle, falls diese künftig nicht mehr genutzt würden. Bürgermeister Schabel entgegnete darauf: „Die Räume würden nicht leer stehen. Unsere Hallen platzen aus allen Nähten – wir hätten damit geeignete Räumlichkeiten zur Entlastung.“ Die Nutzung der Hallen habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, die Nachfrage sei weiterhin hoch.

In den Planansätzen der Verwaltung steht neben dem Dach und den Wänden auch der Außenbereich auf der Agenda. Elektronik und Heizung sollten ebenfalls erneuert werden. Foto: Rudi Penk

„In Ballmertshofen gibt es nichts anderes. Und niemand fährt von dort nach Eglingen zum Pilates“, betonte Michael Raunecker (FWB). Er halte es für wichtig, dass dieses Gebäude erhalten bleibe, wofür eine Sanierung notwendig sei. Seine Entscheidung hänge jedoch von der Förderquote ab; grundsätzlich habe er Verständnis für die Kosten. Dem schloss sich auch Günter Burger, Ortsvorsteher von Eglingen, an. Jedes Dorf brauche laut Burger einen zentralen Anlaufpunkt.

Als Mundinger erneut infrage stellte, ob die Bevölkerung die Räumlichkeiten überhaupt nutzen würde, kippte die Stimmung im Saal. Während Burger die Wortwahl Mundingers kritisierte, entgegnete Ballmertshofens Ortsvorsteher Werner Koths: „Das Gebäude ist 66 Jahre alt. Jede Ortschaft hat ihre zentralen Räumlichkeiten – sowohl für die Ortschaftsverwaltung als auch für das gemeinschaftliche Leben.“ Zudem konnte Koths belegen, dass an jedem Wochentag mindestens eine Gruppe aus dem Ort die Alte Schule nutze.

„Ich denke nicht, dass das eine unverschämte Forderung unsererseits ist. Wir wollen nichts Besonderes, sondern lediglich eine energetische Sanierung, um die weitere Nutzung zu sichern“, so Koths. Abschließend betonte er, es sei eine Frechheit, Ballmertshofen nach mehr als 60 Jahren die erste umfassende Sanierung abzusprechen. Für diese Aussage erhielt Koths vereinzelten Applaus aus dem Gemeinderat und dem Zuhörerbereich, während Mundinger anmerkte, dass solche Informationen bislang weder ihm noch dem Gremium bekannt gewesen seien.

Bevor abgestimmt werden konnte, meldete sich Heiko Röllig (AfD) zu Wort: „Ich möchte Ballmertshofen das Dorfhaus nicht absprechen. Aber wir reden hier von Sanierungskosten von rund 4000 Euro pro Quadratmeter. Da muss man sich fragen: Ist diese Sanierung tragbar? Muss so viel Geld in ein altes Gebäude investiert werden?“ Auf einen Zeitraum von 60 Jahren gerechnet sei diese Summe jedoch durchaus gerechtfertigt, entgegnete abschließend Emmeram Burger (CDU), was Röllig nicht zu akzeptieren schien: Das Haus wäre zu alt für eine Sanierung.

Insgesamt 17 Stimmen wurden anschließend für das Projekt und die Antragstellung auf Fördermittel abgegeben, lediglich Mundinger und Röllig stimmten gegen das Vorhaben.

Woraus werden die Fördermittel bezogen?

Der Ausgleichsstock ist ein Förderinstrument des Landes, mit dem finanziell schwache Kommunen unterstützt werden. Aus ihm erhalten Städte und Gemeinden Zuschüsse, wenn sie wichtige Aufgaben oder Investitionen (etwa Schulen, Kitas oder Infrastruktur) aus eigenen Mitteln nicht ausreichend finanzieren können. Ziel ist es, unterschiedliche finanzielle Leistungsfähigkeiten auszugleichen und sicherzustellen, dass alle Kommunen ihre Pflichtaufgaben erfüllen können.

Dazu kommt der ELR. Gefördert werden dabei vorwiegend das Bauen, Sanieren und Umnutzen von Gebäuden, die Stärkung von Ortskernen, Wohnen, Arbeiten vor Ort sowie klimaschonende und flächensparende Projekte. Ziel des ELR ist es, den ländlichen Raum lebendig, nachhaltig und zukunftsfähig zu erhalten.