Kabarett

Matthias Jung in der Dischinger Arche: Pubertät ist, wenn man trotzdem lacht

Mit seinem aktuellen Programm „Abenteuer Pubertät – so peinlich kommen wir nicht mehr zusammen!“ machte der Komiker und Diplom-Pädagoge Matthias Jung Station in der Dischinger Arche.

Matthias Jung kennt in Deutschland viele Eltern. Umgekehrt verhält es sich nicht anders, denn Jung ist einer der bekanntesten Autoren, wenn es um das Lieblingsthema vieler dauergenervter Eltern geht. Dass Jung nach seinem Studium als Autor für „TV total“ oder „7 Tage, 7 Köpfe“ arbeitete und mit seinem Erfahrungsschatz im Anschluss die beiden Fachjargons Comedy und Elternratgeber miteinander in Einklang brachte, beschert dem Vater von zwei Kindern regelmäßig erstklassige Notierungen in den Bestsellerlisten der Belletristik und ganz nebenbei gut gefüllte Hallen und Säle – an diesem Abend fanden knapp 80 Besucher den Weg in die Dischinger Arche, darunter auch einige Teenager.

Pubertät oder die Kunst, einen Kaktus zu umarmen

Das war es dann wohl, werden viele Eltern denken. Vorbei ist die Zeit der Prinzessinnen und Prinzen. Willkommen in der Realität der motzenden, wortkargen Halbstarken. Peinlichsein ist ab sofort Teil des Jobs der Eltern, und wenn’s dann doch mal wieder ans Limit des Erträglichen geht, hilft nur noch der Spruch „Ich bin eine Mama (oder ein Papa), holt mich hier raus“.

Matthias Jung schnitt bei seinem Auftritt zahlreiche Themen an und garnierte sie mit Geschichten aus dem Alltag. Körperpflege beispielsweise – ein häufiges Fremdwort für Teenager. Denn auch der gute alte Deoroller hat seinen Stolz und stellt schnell fest: Teenies sind wasserabweisend. Aber auch im Haushalt zur Hand zu gehen, ist eine diffizile Angelegenheit. Dem Nachwuchs die Spülmaschine erklären? Am ehesten noch, wenn man ihm die Bedienungsanleitung per Youtube-Video übermittelt. Das morgendliche Wecken der Heranwachsenden? Anklopfen und besser nichts sagen, sonst verschlechtert sich die ohnehin schon üble Laune zu vollkommen unchristlichen Uhrzeiten beim Nachwuchs weiter. Und auf keinen Fall die Zimmertüre geöffnet lassen. Diskussionen? Sinnlos. Die Pubertiere betrachten den Weckvorgang durch ihre „Mampfgeber“ als Körperverletzung.

Doch auch im Urlaub ist die Situation kaum anders. Pubertät kennt laut Matthias Jung keine Landesgrenzen, lediglich Hotelzimmer. Da fragt der dauerchillende Nachwuchs beim Urlaub am Harzer Brocken gerne mal, wie man am schnellsten zum Strand kommt, um dort die Zeit totzuschlagen.

Das eigenartige Vokabular der Generation Teenietus

Dass sich der Wortschatz mit fortschreitendem Teenie-Alter ändert, ist unüberhörbar. Ungelenke Wörter und Aussagen wie „cringe“, „What’s up, bro?“, „du Lauch“ oder „das crazy“ gehören plötzlich zum täglichen Soziolekt der jungen Generation. Doch auch die Eltern dürfen tief in der persönlichen Sprachkiste wühlen und sich dabei laut Jung gerne mal einen Schnaps oder ein Bier gönnen, schließlich steckt im Wort „Pubertät“ die englische Begrifflichkeit „Pub“.

Die Lösung aller Teenie-Problemchen? Gechillt bleiben, rausgehen, durchatmen und nichts zu persönlich nehmen. Schreiduellen besser aus dem Weg gehen, genauso sollten Machtkämpfe ad acta gelegt werden – da ziehen die Eltern unter Garantie den Kürzeren. Eine Omnipräsenz der Eltern ist kontraproduktiv – besser dann einschreiten, wenn man wirklich gebraucht wird. Alles mit viel Humor, Einfühlungsvermögen und Contenance nehmen. Und eines muss allen Muttis und Vatis klar sein: Teenies mögen keine spießigen Bilderbucheltern.

Matthias Jungs Programm war ungemein unterhaltsam und kurzweilig. Er legte mit viel Humor den Finger in die offenen Wunden aller verzweifelter Eltern und gab sich optimistisch: Irgendwann ist das Ende des Tunnels erreicht. Ob da dann auch das erhoffte Licht erscheint, bleibt selbstverständlich abzuwarten.

Lars Ruth in der Dischinger Arche

Am Sonntag, 22. März, wird der Poet und Gedankenleser Lars Ruth das Publikum der Dischinger Arche mit seinem Programm „Die Reise des Sehers“ auf eine ganz persönliche Odyssee aus Magie, Mystery, Geheimnissen und Wundern entführen. Beginn ist um 18 Uhr.