Bunte Kostüme, fliegende Bonbons, Musik in den Straßen – und mittendrin tausende Narren: Dischingen hat beim diesjährigen Faschingsumzug unter dem Motto "Fluch und Segen!" einmal mehr gezeigt, wie ausgelassen und zugleich meinungsstark Fasching sein kann. Schon am frühen Nachmittag lag dieses besondere Knistern in der Luft, als sich Gruppen aufstellten und die ersten Zuschauer ihre Plätze sicherten.

„Heute sind wir sehr zufrieden – sogar die Sonne haben wir auf zwei Uhr bestellt, und sie ist gekommen. Jetzt kann’s richtig losgehen“, sagte Michael Schmid, Fotograf des Dischinger Faschingsvereins. Mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich: Trotz kühler Temperaturen ließ sich die Sonne zumindest kurz einmal blicken und sorgte gemeinsam mit der fröhlichen Stimmung für beste Bedingungen.
3700 Mitwirkende sorgen für Rekordstimmung
Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Umzugs: 3700 Mitwirkende waren in den Vereinen unterwegs. 168 einzelne Gruppen zogen durch die Straßen. Damit verzeichnete der Umzug eine deutliche Steigerung der Teilnehmerzahlen, denn im vergangenen Jahr waren es 153 Gruppen. Auch zahlreiche Faschingsgesellschaften waren vertreten.

Bei den Besuchern war die Resonanz stark. Die Straßenränder waren dicht gefüllt: Familien, Jugendliche und ältere Besucher feierten gemeinsam. Die Kinder streckten eifrig ihre Taschen entgegen – und wie jedes Jahr galt: Egal wie viele Süßigkeiten darin landeten, es war natürlich nie genug. Aber genau das gehört zum Fasching dazu.
Zwischen fantasievoll geschmückten Wagen sorgten Hexen für Schabernack, die Garde beeindruckte mit ihren Auftritten, und der Elferrat grüßte vom Baumstamm. Musik, Jubel und Gelächter mischten sich zu einem bunten Klangteppich. Dischingen feierte – ausgelassen, fröhlich und gemeinschaftlich. Und wie auch im vergangenen Jahr war der Fantasie der Kostüme keine Grenzen gesetzt.
Satire auf Rädern
Doch der Umzug bot nicht nur närrisches Treiben, sondern auch klare Botschaften. Der Dischinger Faschingsverein griff aktuelle gesellschaftliche Themen auf und verpackte sie in pointierte Satire.
Der Wagen „Schuldenrakete Merz“ zeigte einen Politiker, der Geldscheine in die Luft wirft – eine augenzwinkernde Kritik an der Schulden- und Finanzpolitik.
Mit „Paragraphen-Wahnsinn Deutschland“ nahm man die Bürokratie ins Visier. Schilder mit Aufschriften wie „Wahrheiten sagen nur außerhalb des Wahlkampfes erlaubt“, „Feiern nur mit Genehmigung“ oder „Lachen nur von 12e bis Mittag“ sorgten für nachdenkliche Blicke und dafür, dass man sich dachte: "Ah da haben sie ja irgendwie Recht".

Ein weiterer Wagen des Dischinger Faschingsverein setzte sich mit künstlicher Intelligenz, Algorithmen und moderner Technologie auseinander. Auch hier zeigte sich: Der Fasching bleibt am Puls der Zeit. Provokant und schwarzhumorig präsentierte sich schließlich „Musterungsroulette – heute Roulette, morgen Rekrut“. Ein symbolischer Roulette-Tisch stand für die Ungewissheit einer möglichen Einberufung – überspitzt, aber ganz im Sinne närrischer Tradition.
Ein Umzug, der alles bot
Ob ausgelassene Stimmung, hohe Teilnehmer- und Besucherzahlen oder kreative und kritische Wagen – der Dischinger Faschingsumzug bot in diesem Jahr alles, was das närrische Herz begehrt. Und trotz Eiseskälte zeigte Dischingen mit ein wenig Sonne im Gesicht, Konfetti in der Luft und einem Augenzwinkern in Richtung Politik und Gesellschaft: Fasching ist mehr als Feiern – es ist Lebensfreude mit Haltung.


