Es ist eine spannende Zeit für die Filmfestcrew aus Ballmertshofen: Nicht nur befindet sie sich mitten in der Staffelstabübergabe zwischen den verschiedenen Generationen, sondern sie wird bald auch selbst auf den großen Leinwänden in ganz Deutschland zu sehen sein. Die Rohfassung der Dokumentation über das traditionsreiche Filmfest wurde bereits dem engsten Kreis vorgeführt. Zudem hat das stetig wachsende Team noch die 49. Auflage des Filmfestes zu organisieren.
Generationswechsel in vollem Gange
Kaum an einem anderen Ort blüht das soziale Engagement so sehr auf wie rund um die Gründerfamilien des Ballmertshofer Filmfestes. Mitgründer Udo Legner berichtet im Vorfeld der 49. Auflage von großem Andrang, was die künftige Organisationsgruppe betrifft: „Anders als bei einigen Vereinen haben wir keine Nachwuchsprobleme.“ Die Gründergeneration ist mittlerweile um die 70 Jahre alt. Laut Legner ist nun der optimale Zeitpunkt gekommen, um die Verantwortung weiterzugeben.
So sei bereits die dritte Generation am Filmfest beteiligt. „Einige unserer Enkel sind hier schon im Alter von zehn bis 15 Jahren mit dabei.“ Natürlich müsse man laut Legner erst noch hineinwachsen, der Grundstein sei jedoch gelegt. Wichtig sei vor allem der Bezug zum Dorf: „Der soll erhalten bleiben. Wir kommen aus Ballmertshofen, wir haben das in uns“, sagt Legner. „Da viele von uns inzwischen aus Tübingen, Augsburg oder anderen Orten kommen, müssen unsere Kinder und Enkel diesen Bezug, den wir pflegen, erst kennenlernen.“

Ballmertshofen spielt im Leben und natürlich auch beim Filmfest nach wie vor eine zentrale Rolle für die Organisatoren der ersten Generation. Das Filmfest sei dabei eine „Brücke zwischen Dorf und Stadt“ – zwischen jetzigem und damaligem Leben. „Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen kommen hier ins Gespräch. Das ist eine der größten Qualitäten des Festivals.“ Als Katalysator für den Bezug zum Dorf gilt auch das traditionelle Fußballspiel zwischen Filmcrew und Dorfgemeinschaft. Auch in diesem Jahr wird die Partie wieder ausgetragen.
Dokumentation in Spielfilmlänge
Die junge Generation beteiligt sich laut Udo Legner vor allem an der digitalen Kommunikation – einem Bereich, „bei dem die Jungen natürlich wesentlich fitter sind als wir“. Auch die Website wird von ihnen betreut, ebenso wie eine Crowdfunding-Kampagne. „Nur so schafft es der Film auch auf die Leinwand.“
Gemeint ist damit der Dokumentarfilm über das Ballmertshofer Filmfest. Im Vorfeld des 48. Filmfestes wurde bekannt gegeben, dass sich der deutsche Regisseur Walter Steffen mit dem Festival auf dem Härtsfeld beschäftigt und mithilfe einer Leader-Förderung der EU für Kultur im ländlichen Raum (bis zu 60 Prozent) und mehr als 100 privaten Spendern und Sponsoren das Dokumentationsprojekt umsetzt.
Vor einigen Wochen konnten die Organisatoren schließlich die Rohfassung des Films ansehen. Dabei entschied man sich gegen die ursprünglich geplante 45-minütige Version und für eine Dokumentation in Spielfilmlänge. Für die Realisierung wurde das Crowdfunding ins Leben gerufen. „Anders könnte der Film nicht entstehen“, sagt Legner. Seit jeher seien die Einnahmen des Festivals gerade ausreichend, um die Kosten zu decken. Der größere Besucherandrang der vergangenen Jahre werde durch höhere Organisationskosten und steigende Auflagen wieder aufgezehrt. Auch mit finanzieller Unterstützung seitens der Gemeinde könne nicht gerechnet werden. Dennoch zeigen sich die Organisatoren gewohnt gelassen: „Wir sind überzeugt, dass das Sponsoring klappt.“

Legner und die anderen Organisatoren waren laut eigener Aussage von der Rohfassung „total geflasht“. „Er erzählt nicht nur die Geschichte des Filmfestes, sondern verbindet fast 50 Jahre Festivalgeschichte mit deutscher Zeitgeschichte und Filmgeschichte“, so Legner. Auch die anfänglichen Bedenken, der Film könne zu privat werden, hätten sich inzwischen zerstreut. Die Dokumentation solle zudem andere Initiativen im ländlichen Raum inspirieren.
Die Premiere der Doku mit dem Titel „Cinema Utopia“ soll am 6. September beim Fünf-Seen-Filmfestival in Starnberg stattfinden. Die nächste Aufführung folgt als Höhepunkt des 50. Filmfestes in Ballmertshofen. Erst anschließend – also gegen Ende des Jahres 2027 – soll die Dokumentation bundesweit in ausgewählten Kinos gezeigt werden.
Die 49. Auflage
Neben allen laufenden Projekten richtet sich der Fokus der Filmfestcrew derzeit auf das diesjährige Festival. Die 49. Auflage findet von Freitag, 31. Juli, bis Sonntag, 2. August, statt. Trotz des Trubels rund um die Dokumentation und des stetig wachsenden Besucherandrangs bleibt das Ziel unverändert: Der familiäre Charme soll erhalten bleiben. „Das gelingt auch ziemlich gut. Schließlich kommen einige Familien seit Jahrzehnten jedes Jahr hierher. Und irgendwann bringen die Kinder ihre Freunde mit. So wachsen wir“, sagt Legner.
Die Besucher stammen mittlerweile längst nicht mehr ausschließlich aus dem Umfeld der Gründerfamilien. „Früher ging man über den Zeltplatz und sah Kennzeichen aus den Orten, aus denen unsere Familien kommen“, sagt Legner. „Heute sehen wir einen großen Zuwachs aus Heidenheim und der Ostalb.“ Das Festival sei inzwischen nicht nur in Ballmertshofen, sondern in der gesamten Region fest verwurzelt. Gerade der ländliche Charme sei dabei das Aushängeschild: „Neben den ganzen Festivals voller Glamour wird hier bewusst darauf verzichtet. Hier ist der rote Teppich das grüne Gras.“
Das Programm des 49. Filmfest
Auf dem Ballmertshofer Filmfest werden von Freitag bis Sonntag insgesamt 13 Filme gezeigt. Eröffnet wird das Festival mit dem preisgekrönten, unabhängigen Familiendrama „Sentimental Value“ aus Skandinavien. Bei mehreren deutschen Produktionen finden im Anschluss Filmgespräche statt, die Kinderfilme sind wie gewohnt kostenlos.
Am Samstagabend spielt die Augsburger Nachwuchsband „Proviantbach“. Am Morgen können Besucher am traditionellen Sebastian-Kneipp-Gedächtnislauf teilnehmen oder beim Yoga entspannen. Den Abschluss bildet am Sonntag um 17 Uhr das traditionelle Fußballderby. Das gesamte Programm kann online auf filmfestkuh.de eingesehen werden.
