Es geht noch: Mehr als 2000 zahlende Besucher wanderten am Samstagabend bei der Musiknacht von Konzert zu Konzert. Es war in Heidenheim schon deutlich weniger los an nasskalten Abenden.

Bevor die Party richtig startete, stand für einen Großteil der Gäste erst einmal der Kirchgang an: In der praktisch vollbesetzten Pauluskirche eröffnete Andreas Kümmert die Musiknacht. Der Bluesmusiker und sein Schlagzeuger Michael Germer wurden bereits mit Jubelrufen empfangen, und dann erfüllte der Klang der beiden schlagartig den Kirchenraum.

Andreas Kümmert sorgte für eine volle Pauluskirche

Kümmert kann alles, vollkommen seiner Musik hingegeben und absolut mühelos: zärtlich, rockig, explodierend, schwebend, die Spannung fast ins Unerträgliche steigernd, um dann wiederum die Stimmung zu verändern und das Publikum bei jedem einzelnen Ton, jeder Höhe, jedem Riff mitzureißen. Ob bei „Heart of Stone“, „Hard Times“, „Bedroom Blues“, eigenen Songs wie „Mother’s in the Kitchen“ und „Spaceship“ – einem Lied für seinen Sohn: Jeder Song ist einzigartig interpretiert. Auch sein Überraschungsgast, Blues-Sänger Jochen Thoma, sorgte für Begeisterung. Am Schluss gab es den „Rocket Man“ und das Publikum sprang zum Applaudieren auf.

Im Pressehaus tanzte das Publikum bei „Liberty“

Im Anschluss dauerte es ein paar Momente, bis Schwung in die Nacht kam, dann aber hatten die Musikfreunde die Regenschauer augenscheinlich ebenso vergessen wie die für Mai recht niedrigen Temperaturen. Im Pressehaus etwa täuschte „Liberty“ erst einmal ein gediegenes Altrock-Potpourri im Spannungsfeld zwischen den „Beatles und „Cheap Trick“ an, bevor die Band spätestens mit „Liquidos“ Partykracher „Narcotic“ das gesamte Foyer hüpfen ließ und sich eine Traube Wartender vor dem Eingang bildete.

Ruhige Kontraste boten dagegen die Künstler in der Stadtbibliothek. Dort bewies der Wahl-Stuttgarter “I am Korny“, dass ein Mann und eine Gitarre vollkommen reichen, wenn die Songs zünden. Weiter ging es mit dem Trio „Darkness, Blacksmith & Kerker“ um den „End of Green“-Sänger Michelle Darkness, der wie immer mit wohltemperierter Grabesstimme und heiterer Plauderei bezirzte. Die dargebotene Americana-Variante von „Paranoid“ könnte jedenfalls die Coverversion des Abends gewesen sein.

Ruhige Klänge in der Bibliothek und in der „Halben Treppe“

Apropos Ruhe: Sehr ruhig, aber auch sehr besonders klang es in der mit 40, 50 Zuhörern gut besuchten Kulturbühne „Halbe Treppe“. Die Liedermacherinnen Manu Ittner und Gitta Schürck boten abwechselnd mit „Springschreiend“, „Unaussprechlich“, „Sternenlicht“ oder „Schwermut“ eigene Songs, Schürck nahm dabei eine von ihr bespielte Loop-Station zu Hilfe, und beide Sängerinnen boten mit klaren Stimmen, klugen und witzigen Texten einen spannenden Abend.

In der neu eröffneten „Wandelbar“ zeigte Heavy-Metal-Barpianist Georg Heinle vor vollem Haus, dass „Metal nicht nur Krach“ ist. Ob „Enter Sandman“, „Fear of the Dark“ oder „Hells Bells“ – Heinles Finger flogen über die Tasten, mal rockig, mal träumerisch, und immer ein großer Genuss.

Beinharter Metal im Biergarten des Heidenheimer „Populär“

Ebenfalls Metal, aber produziert von fünf Männern mit lautstarkem Arbeitsgerät, war im Biergarten hinter dem „Populär“ zu erleben. Die Heidenheimer von „Enslave the Chain“ entfesselten ihre energischen wie komplexen Songs und lockten damit so viel Publikum an, dass viele etwas Geduld aufbringen mussten, um den akustischen Genuss noch mit einem Blick auf die Bühne ergänzen zu können.

Im Konzerthaus lockten „Quasi Musici“ gut gelaunt zahlreiche Gäste an, in der Innenstadt kam man zu „Ikarus“ in „Stephies Wohntraum“ ebenso nicht mehr rein wie zu „Your Session“ bei „Malowein“. Und Saxophonost Lee Mayall, der den Auftritt seiner Band wegen der Erkrankung eines Mitmusiker hatte absagen müssen, blieb dennoch nicht ungehört: Im „Swing“ stieg er zwischendurch zu „Red Hot n Blues“ auf die Bühne, bevor er in der „Kleinen heilen Welt“ noch bei „Unskilled“ ins Blech blies.

Veranstalter planen schon die Heidenheimer Musiknacht für den 11. Mai 2024

„Wir sind total begeistert“, zog Siggi Schwarz am Sonntagmorgen im Namen des Veranstalterteams ein erstes Fazit. Viele Besucherinnen und Besucher hätten sich noch kurzentschlossen vom Programm überzeugen lassen. Nachdem es den einen oder anderen traditionellen Eckpfeiler vergangener Musiknächte, den „Mohren“ etwa, nicht mehr gibt, sei es, sagt Schwarz, nicht einfach gewesen, ein rundes Programm für ein fußläufiges Musikerlebnis auf die Beine zu stellen. Am Ende aber gelang es. So sehr übrigens, dass die Veranstalter bereits den Termin für die nächste Musiknacht geplant haben: Am Samstag, 11. Mai 2024, geht es in die nächste Runde.

Die Heidenheimer Musiknacht 2023

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