Ganze vier Mal musste das Konzert verschoben werden, bevor es am Mittwochabend endlich stattfinden konnte. Aber auch alle Tücken einer Pandemie konnten Max Raabe und das Palast-Orchester nicht davon abhalten, Heidenheim zu besuchen. Die aktuelle Tournee steht unter dem Namen „Guten Tag, liebes Glück“, das erklärte Ziel des Orchesters ist es, dieses Glück auch dem Publikum zu vermitteln. Die Idee fand auch in Heidenheim sichtlich Anklang, denn im großen Saal des Congress-Centrums blieb kaum ein Platz frei. Das Publikum war bunt gemischt, es waren so gut wie alle Altersklassen vertreten. Doch wohl kaum jemand war so alt, wie der größte Teil des Liedmaterials, das an diesem Abend vorgetragen wurde.

Alte Lieder und immergrüne Themen

Los ging es mit „Ich hör so gern Musik“ aus dem Jahr 1940. Und damit war das Lied noch vergleichsweise neu, viele andere stammten aus den 1920er-Jahren. Aber es gab auch neue Kompositionen, zum Beispiel gleich das zweite Lied mit dem Titel „Ich bin dein Mann“. Dieses war stilistisch so an die älteren Stücke angelehnt, dass man zwar einen Unterschied bemerkte, die Stimmung der Goldenen Zwanziger jedoch ungebrochen war. Das war in Teilen auch der Tatsache geschuldet, dass die meisten Lieder sich um ähnliche Themen drehten. Max Raabe versprach zwar früh am Abend, dass es „Musik über die großen Themen des Leben . . . und Topfpflanzen“ geben würde, tatsächlich handelte aber nur ein Lied von einer solchen Pflanze, die meisten anderen von der Liebe.

Mit Humor durch den Abend

Zumindest hatte die Aussage humoristischen Wert, und Humor bewies Max Raabe immer wieder in den Pausen zwischen den Liedern. Er gab flache Pointen zum Besten, schaffte es aber auch, das Reisen mit der Deutschen Bahn durch die Relativitätstheorie zu erklären. Das Singen aber nahm er sehr ernst, stand gerade am Mikrofon, nur die Gesichtszüge bewegten sich. Das Palast-Orchester war dafür umso bewegter: Während „Côte d’Azur“ schunkelten die Saxofonisten mit ihren Instrumenten, bei „Ich geh durch einen Park am Donnerstag“ machte das ganze Orchester Geräusche zur Untermalung der Szene, und bei „Rosa, reizende Rosa“ fielen dem Schlagzeuger nach und nach fast alle Röhrenglocken herunter, trotzdem spielte er passend weiter.

Max Raabe mag das bekannte Gesicht der Formation sein, aber musikalisch gesehen war das ganze Palast-Orchester auf einem ähnlichen, sehr hohen Niveau. Das ließ sich vor allem bei den Soli erkennen, die Saxophonisten bekamen eines bei „Zwei Treppen links im Nachbarhaus“, Klavier und Violine bekamen bei „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ mehr Raum, und bei „Duerme“ beeindruckten zwei Violinen und eine Bratsche mit viel Harmonie.

Harmonischer Ausklang

Kaum hatte man sich an die Klangfarbe eines Liedes gewöhnt, folgte schon das nächste. Auf diese Art kam es dazu, dass mit einer Coverversion von Herbert Grönemeyers „Mambo“ das 25. Stück erreicht war und das Palast-Orchester von der Bühne ging. Das Publikum aber hatte noch nicht genug und holte die Musiker durch anhaltenden Applaus auf die Bühne zurück. Nach einer eher ruhigen Darbietung von „Küssen kann man nicht alleine“ gab es stehende Ovationen von vielen Zuhörenden, nach „Mein kleiner grüner Kaktus“ stand fast der gesamte Saal. Alle Mitglieder des Orchesters sangen zusammen „Ave Maria no morro“, dann war endgültig Schluss. Die Besucherinnen und Besucher, die nun das Congress-Centrum verließen, fanden sich sofort im kalten Novemberregen wieder. Aber auch dieser ist leichter zu ertragen, wenn man eine Portion Glück mit sich trägt.

Weltweit unterwegs


Das Palast-Orchester wurde 1986 von Max Raabe zusammen mit einer Gruppe von Kommilitonen gegründet. Der erste Erfolg in den Charts kam 1992 mit „Kein Schwein ruft mich an“, geschrieben von Max Raabe. Später ging das Orchester auf Konzertreise in verschiedene Länder, zum Beispiel nach Israel, Japan oder in die Vereinigten Staaten. Bei solchen Gelegenheiten singt Max Raabe oft eines oder mehrere Lieder in der jeweiligen Landessprache.