Berlin / kna Wilhelm und Alexander von Humboldt waren ihrer Zeit voraus. Vieles ist Wirklichkeit, manches Mythos.

Der eine gilt als Bürokrat und Bildungsreformer, der andere als Weltbürger und Abenteurer: Wilhelm (1767-1835) und Alexander (1769-1859) von Humboldt sind ein Berliner Brüderpaar, dessen Name weltweit als Synonym für Bildung und Wissenschaft steht. Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin befasst sich ab diesem Donnerstag mit den beiden Kosmopoliten. 350 Objekte werden dort bis zum 19. April gezeigt. Leihgaben aus den Vatikanischen Museen, dem Louvre sowie Windsor Castle, darunter Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Tagebücher, Briefe und Sammlungs- und Forschungsgestände.

Der Name „Humboldt“ kursiere heute als eine Art „Etikett“ in der Hauptstadt, erklärt Kuratorin Benedicte Savoy. Tatsächlich sei aber wenig Wissen über die ersten drei Jahrzehnte im Preußen des 19. Jahrhunderts vorhanden. Die Schau setzt bei der Kindheit der Brüder in Berlin an: Sie besuchten nicht, wie in der Zeit bei adeligen Familien üblich, kirchliche Schulen, sondern hatten Privatlehrer, die aufgeklärte pädagogische Konzepte vertraten. So lernten sie „wenig über Gott und Religion“, aber „viel über Mensch und Welt“, wie es in der Ausstellung heißt. Dies führte mitunter zu einem überraschenden Lebensstil: So praktizierte Wilhelm von Humboldt etwa mit seiner Frau Caroline – Mutter seiner acht Kinder – eine offene Ehe.

Nach der biografischen Einführung in das Leben der Humboldts eröffnen sich dem Besucher verschiedene Themenfelder, die das Handeln der Brüder zueinander und den Weltereignissen in Beziehung setzen. Bewusst verzichtet die Schau auf multimediale Elemente, setzt stattdessen zeitgenössische Medien ein, erklärt Kurator David Blankenstein. „Wir haben versucht, in der Zeit zu bleiben“. So können die Besucher ausprobieren, wie es ist, einen Brief mit Gänsekiel und Tinte zu schreiben.

Zu sehen ist auch ein riesenhaftes marmornes Krokodil – eine Leihgabe der Vatikanischen Museen – das die Humboldt-Brüder 1805 zusammen in Rom besichtigt hatten und das sie so beeindruckte, dass sie davon in ihren Tagebüchern schrieben. kna