Berlin / KNA Das Deutsche Historische Museum in Berlin widmet der Querdenkerin Hannah Arendt eine Sonderschau.

  Der von ihr stammende Begriff von der „Banalität des Bösen“ ist bis heute ein geflügeltes Wort. Hannah Arendt (1906-1975) prägte ihn Anfang der 1960er Jahre beim Prozess über Holocaust-Organisator Adolf Eichmann in Jerusalem. Sie wollte zum Ausdruck bringen, dass nicht nur Sadisten, sondern auch befehlshörige Funktionäre die Nazi-Verbrechen ermöglichten. Welche Kontroversen die jüdische Philosophin damit auslöste – und vieles mehr aus ihrem Leben und Werk – zeigt ab 11. Mai eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin.

Arendt charakterisierte Eichmann als einen in der modernen Gesellschaft verbreiteten Typus, der bereit war, die Mordpläne seiner Vorgesetzten gewissenlos auszuführen. Entsprechend lautete eine ihrer Forderungen: „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen.“ So lautet auch der Untertitel der bis 18. Oktober dauernden Schau. Über die jüdische Gemeinschaft hinaus stieß sie indes auch auf wütenden Widerstand. Denn Arendt widersprach damit der Auffassung, dass für den monströsen Völkermord an den Juden nur teuflische Täter verantwortlich sein konnten.

Viele ihrer Analysen, etwa der totalitären Herrschaftssysteme von Nationalsozialisten und Stalinisten, haben bis heute nichts an Aktualität verloren. So beschrieb sie das Flüchtlingsschicksal aus eigenem Erleben. Die bei Hannover geborene und im ostpreußischen Königsberg aufgewachsene Ingenieurstochter musste nach Beginn der Nazi-Herrschaft nach Paris fliehen, 1941 dann in die USA, die zu ihrer neuen Heimat wurden. Auch dort eckte Arendt, die sich oft quer zu allen weltanschaulichen Lagern stellte, mit Kritik an Imperialismus, Rassentrennung oder Zionismus an, die sie in Zeitungen, Büchern und an Hochschulen pointiert vertrat. Nach 1945 kehrte Arendt mehrfach nach Deutschland zurück.

Originalaufnahmen an 30 Medienstationen ermöglichen es den Besuchern, sich vertieft mit ihren Erkenntnissen zu befassen. Fotos belegen die Beziehungen, die sie mit prominenten Denkern seit ihren Studienjahren in Marburg, Freiburg und Heidelberg unterhielt, darunter die Philosophen Karl Jaspers und Martin Heidegger. Gregor Krumpholz