Boom / dpa Die meisten Festivals fallen 2020 pandemiebedingt aus. „Tomorrowland“ findet statt – in digitaler Version.

Zwei Monate lang haben 200 Mitarbeiter unter hohem Zeitdruck an der Umsetzung der diesmal rein digitalen Ausgabe des Festivals „Tomorrowland“ im belgischen Boom gearbeitet. An diesem Wochenende soll es stattfinden. Auch Superstars wie Katy Perry oder David Guetta sind dabei – mit vorab aufgezeichneten Auftritten.

Dafür wurde die virtuelle Insel Pāpiliōnem erschaffen, die wie das Logo des etablierten Open-Airs in der Form eines Schmetterlings angelegt wurde. Festivalteilnehmer können sich mit PC oder Smartphone durch eine Fantasy-Welt mit Stränden, Nachthimmel, Bergen, Wäldern, Sonnenuntergängen navigieren und Musik-Acts auf acht Bühnen erleben. Jede Bühne hat eine virtuelle Fläche von 16 Quadratkilometern mit 32 000 Bäumen und Pflanzen. Die Hauptbühne ist einer natürlichen Amphitheater-Landschaft nachempfunden, die dem realen Festivalgelände in Boom ähnelt. 

Flaggen und Lichter

Mehr als 60 Künstler haben ihre Auftritte in Green-Screen-Studios in Los Angeles, Sao Paolo, Sydney und Boom aufgezeichnet. Mit ihrem Publikum, bestehend aus 280 000 virtuellen Personen mit Flaggen und Lichtern, die auch mitsingen und klatschen können, werden sie erst beim Festival digital zusammengefügt.

Für den französischen DJ David Guetta, schon bei allen 16 Ausgaben des Festivals dabei, war der Auftritt ohne Fans aber gewöhnungsbedürftig. „Ich brauche eigentlich 100 000 Leute, die vor mir stehen. Ich habe die 15 Mitarbeiter im Studio genutzt, um mir vorzustellen, dass es 100 000 Leute sind“, so der 52-Jährige.

Für die hochschwangere Katy Perry, die den wohl letzten Auftritt vor der Geburt ihrer Tochter absolviert, ist es eine „Tomorrowland“-Premiere. Sie hat ihr 15-minütiges Hit-Medley remixen lassen. „Selbst wenn ich gerade 40 Pfund mehr wiege, tanze ich trotzdem auf der Bühne rum und verbreite Spaß. Wir machen aus der Krise etwas Wunderschönes. Es hat nichts mit einem Wohnzimmer-Konzert zu tun, es ist viel größer als das.“

Katja Schwemmers