Ulm / Udo Eberl Vor seinem neuen Album „Was berührt, das bleibt“ durchlief der Sänger Höhen und Tiefen.

Ihr jüngstes Album „Was berührt, das bleibt“ ist das bisher persönlichste.

Enno Bunger: Die Stücke sind so etwas wie eine Selbsttherapie. Ich schreibe nicht Tagebuch, dafür aber Songs.  Entstanden sind die Stücke am Klavier, das schon immer mein bester Freund war, und als Reflexion einer Zeit, in der ich tief im Loch steckte.

Freundschaft, Krankheit, Tod und immer wieder Optimismus: Harter Tobak wird hier in opulente Melodien verpackt. Sie verlangen Ihren Fans einiges ab.

Das ist der Blick auf eine Zeit, die von Krankheit und Hoffnung geprägt war. Wenn deine Freundin und die deines besten Freundes an Krebs erkranken, zwischen einer Hochzeit und der Beerdigung nur wenige Monate liegen, dann verlierst du deine Leichtigkeit und das Grundvertrauen, dass am Ende immer alles gut wird. Du versuchst nur noch, deinen Kopf über Wasser zu halten.

Da steckt also reichlich Melancholie und Tiefe im Album.

Ich habe ja schon immer auch traurige Musik gemacht. Ich bin auch der Meinung, dass Lieder schwer und ernst sein dürfen, jammern will ich allerdings nicht. Und das Album ist auch nicht nur von einer melancholischen Stimmung durchzogen. Das würde ich nicht ertragen, und die Hörer noch weniger.

Wie auf dem Vorgänger-Album setzen Sie wieder auf Sprechgesang.

Ich bin so eine Art Zeitlupen-Rapper, da ich von Melodie-Verhaftungen schnell genervt bin. Bei einem Stück wie „Ponyhof“ muss man aufpassen, dass es wegen der Masse an Text noch funktioniert und die Aufmerksamkeit des Hörers nicht verloren geht. Da ist Sprechgesang ein gutes Mittel.

Die Stimme ist ja sowieso ein wichtiger Überträger von Emotionen. Wie bewusst arbeiten Sie mit Ihren vokalen Möglichkeiten und Limitierungen?

Ich setze mir da selbst Grenzen. Ich könnte höher singen, bin aber der Meinung, dass meine Stimme im Bariton-Bereich angenehmer klingt. Und wenn die Melodiebögen noch größer wären, läge mir das zu nahe an Pathos und Pop. Da bleibe ich lieber in einer erzählenden Form. Die Frage ist auch immer, was dem Song dient. Ich berühre lieber im Kleinen. Zumindest bei diesen sehr persönlichen Liedern des neuen Albums.

Udo Eberl