Udo Eberl Mit „Rubberband“ wurde nun ein Album von Miles Davis veröffentlicht, das dieser einst im Tonarchiv abgelegt hatte.

Die Richtung stimmte, der Weg nicht. Miles Davis will Mitte der 80er Jahre nach seinem das Business erschütternden Wechsel von Columbia zu Warner Zeichen setzen, sich neu erfinden. Er spürt wieder diese Energie, er fühlt den Aufbruch in sich. Vorbei die Zeit des chronischen Schmerzes und der Selbstzweifel. Er hat noch etwas zu sagen. Dafür ist allerdings ein unüberhörbares Statement gefragt.

Dass „Rubberband“, mit jungen und talentierten Musikern eingespielt, das nicht ist, muss ihm schnell klar geworden sein. Die Aufnahmen in Album-Länge wurden unter der Rubrik Demo ins Archiv geschoben. Die als Gäste angedachten Chaka Khan und Al Jarreau erst gar nicht angefragt, Prince, den Miles cool fand, sowieso nicht. Später sollten dann gemeinsam mit Marcus Miller die Arbeiten an „Tutu“ beginnen, einem der größten Erfolge von Miles Davis.

Und „Rubberband“? Ein Album, das zeigt, wie weit der Trompeter zu gehen bereit war, um mit Pop und Soul ein junges Publikum zu erreichen. Die Produzenten der nun doch veröffentlichten Scheibe waren einst bei den Originalaufnahmen am Regler. Sie haben mit Vince Wilburn Jr., dem Neffen von Miles Davis und seinerzeit als Drummer mit im Studio, das Album zu dem werden lassen, was Davis eigentlich im Sinn hatte.

Die dafür eingeladenen aktuellen Soul-Größen Lalah Hathaway und Ledisi übernehmen den Gesangspart überzeugend, doch wenn mit „I Love What We Make Together“ seltsam dumpfbackige Texte aufgefahren werden, ist die Niveau-Untergrenze erreicht. Durchaus spannend wird es dagegen, wenn Davis in den nahe an der Power eines Prince eingespielten „This Is It“ oder „Give It Up“ funky loslegt. Und in Stücken wie „Maze“ lässt sich mehr als nur erahnen, auf welchem Weg sich der Meister zu dieser Zeit befand. Für Fans ist „Rubberband“ (Rhino/Warner Music) nicht allein aus discographischer Sicht eine Hörprobe wert. Udo Eberl