Stuttgart / Udo Eberl Silbermond machen weitere Album-„Schritte“ und begeistern die Fans in der Schleyerhalle.

„Aber was nicht hilft, sind wir uns da einig? Ideen von 1933“, singt Stefanie Kloß in „Mein Osten“ vom jüngsten Album „Schritte“. Sie machte diesen Song auch live in der Stuttgarter Schleyerhalle zu einem Stück guten Klebstoffs, der Risse im deutschen Binnenverhältnis dichten will: „in einer Welt, die so aufgeheizt und emotional ist und in der auch wir den anonymen Hass sehr zu spüren bekommen haben“. Natürlich sind Silbermond bisweilen reinster Zuckerguss, immer wieder geradezu harmlos und musikinhaltlich verwechselbar, doch da ist auch diese andere, spezielle Seite, die sie in Stuttgart vor 7000 Fans voll ausspielten.

Stefanie Kloß und ihre Jungs sind ehrlich, authentisch, nah- und greifbar. Im zweieinhalbstündigen Konzert lässt sich die Sängerin mit Voices-Juroren-Popularität vom Publikum wortwörtlich auf Händen zur Bühne tragen. Silbermond machen sich zudem als „Marching Band“ musizierend gleich zweimal auf den Weg durchs Publikum, am Ende sogar über die Ränge am Bierstand vorbei. „Immer in Bewegung bleiben. Kein Stillstand“, macht die Frontfrau, die sich selbst der „Fraktion ängstlich“ zurechnet, Lust auf eine bewegte Zukunft, und die Band aus Bautzen überträgt das auf die Live-Show.

Auch im Konzert ist jede Menge los. Ihre harte Rock-Vergangenheit lassen sie da genauso aufleben wie die Lust, wie eine Band der 70er zu klingen – unterstützt von einem Keyboarder mit rollenden Hammond-Sounds und ausladender Sologitarre. Sie punkten vor und zwischen einem Arrangement aus überdimensionierten Blumen und diversen Fundstücken auch in Unplugged-Stücken und Balladen, bisweilen im Schneidersitz oder auf dem langen Laufsteg ins Publikum sich hinfläzend.

„Mach dich mal locker.“ Ein weiterer Tipp, den sich Steffi Kloß häufig anhören musste und den sie jetzt an die Fans weitergibt: „Man kann nur verlieren, wenn man versucht, seinen Idealen hinterherzulaufen.“ Irgendwann spielt das Quartett plus, das inzwischen richtig breitwandig klingen kann, auch einmal ganz ohne Tonanlage und dennoch oder gerade deshalb auf der Klaviatur der großen Emotionen.

Mit einem warmen Herz

Trotz Pathos-Pop, etwas zu dick aufgeschichtetem Balladenschmelz oder einer „Symphonie“ mit der Sängerin im Federkleid: Silbermond gaben das Beste in der „schönsten Zeit, die wir als Band je hatten“. Und sie verabschiedeten ihre Fans mit einem „warmen Herz“. Udo Eberl