Leipzig / dpa Udo Lindenberg hat „Likörelle“ erfunden und einen „Ejakulator“. Welche Kunst er damit macht, ist in Leipzig zu sehen.

Panikrocker Udo Lindenberg lässt es in Leipzig krachen. Zur Vorstellung seiner Ausstellung „Zwischentöne“ im Museum der bildenden Künste (MdbK) in Leipzig haute er kräftig auf ein Schlagzeug, das aber nicht als Instrument, sondern patentierter „Ejakulator“ fungiert. Düsen an den Trommeln sollten später bunte Farbe auf eine große Baumwollleinwand gegenüber spritzen. Dort hatte Udo schon mit Edding das Werk „Euphorion“ gemalt. Ein 20-minütiges Schlagzeug-Medley – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – sollte das Bild vollenden.

So schrill wie „Euphorion“ ist die gesamte Ausstellung, die bis zum 1. Dezember zu sehen ist. Bunte „Likörelle“ – gemalt mit Spirituosen wie Minze, Blue Curacao und Eierlikör – sind ebenso zu sehen wie ein goldener Trabi mit „No Panic“-Signatur. Es ist das letzte in Zwickau gebaute Exemplar.

Lange mit der DDR beschäftigt

Die Ausstellung ist von Museumsdirektor Alfred Weidinger kuratiert worden. „Ja Freunde, ich hatte den Wunsch, mich vor den ersten Montagsdemonstranten zu verneigen“, sagte Lindenberg. Darum habe er „den Alfred angerufen“ und zusammen hätten sie die Schau zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution konzipiert. Der 73-Jährige hat tief in seinem Archiv gewühlt und rund 150 Exponate mit nach Leipzig gebracht. Das seien etwa 20 Prozent der Bestände, sagte sein Archivar Frank Bartsch.

Seit den 1970er Jahren habe er sich mit der DDR beschäftigt und gehofft, dass die „scheiß Mauer“ fällt. „Die frühen Fantasien, die sind jetzt hier“, sagte Lindenberg. Unvergessen ist das Lied „Sonderzug nach Pankow“, in dem er anprangert, dass er nicht im Arbeiter- und Bauernstaat auftreten durfte und mutmaßt, dass SED-Chef Erich Honecker heimlich Lederjacke trägt. 1987 schaffte es Lindenberg, Honecker bei einem Staatsbesuch in Wuppertal eine Lederjacke zu überreichen. Auch sie ist in Leipzig zu sehen – zusammen mit einem Dankesbrief und einer Schalmei, die Honecker in den Westen schickte. dpa