Fast ein halbes Jahr ging in den meisten Theatern und Opernhäusern wegen der Corona-Pandemie gar nichts mehr. Im September nimmt der Betrieb langsam wieder Fahrt auf. Doch die Zahl der Sitzplätze ist von Bochum bis Berlin oft bis auf ein Viertel der üblichen Anzahl verkleinert.

Wenn die Staatsoper Hamburg am 5. September in die neue Spielzeit startet, werden statt der üblichen rund 1700 Plätze maximal 500 Eintrittskarten verkauft. Von den 700 roten Samt-Sitzen im Saal des Saal des Berliner Ensembles stehen nur noch etwa 200 – mal einzeln, meist in Zweiergruppen. Die Bayerische Staatsoper darf vorerst nur 200 von etwa 2100 Plätzen besetzen. Andere Häuser warten noch mit der Wiedereröffnung, die Oper Stuttgart kommt erst im Oktober wieder – mit voraussichtlich 330 Sitzen statt der regulär etwa 1400.

Die reduzierte Zuschauerzahl ist vor allem für private, unsubventionierte Bühnen beängstigend. In Berlin planen zum Beispiel die Kleinkunstzelte Tipi am Kanzleramt und Bar jeder Vernunft Auftritte von Désirée Nick, Maren Kroymann und Lisa Eckhart. Im Spiegelzelt Bar jeder Vernunft sollen nur 116 statt 234, im Tipi 180 statt 500 Einlass finden. Das wirft die Fragen auf: Wie soll sich das rechnen? Folgt 2021 ein großes Bühnensterben?

Anders läuft es in Österreich: Die Wiener Staatsoper hat einen sogenannten dynamischen Sitzplan. Von den etwa 1700 Sitzplätzen können bis zu 1200 besetzt werden. Bis zu vier Plätze können von einem Haushalt oder einer Familie gebucht werden, dann sperrt das System umliegende Plätze, um Abstände einzuhalten. Kämen mehr Einzelpersonen, wären mehr Plätze gesperrt.

Der Deutsche Bühnenverein, die Deutsche Orchestervereinigung, die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, die Deutsche Konzerthauskonferenz und der Verein GMD- und Chefdirigent*innenkonferenz forderten vor kurzem „von Bund und Ländern mehr Augenmaß bei der Zulassung von Publikum in geschlossenen Räumen unter Covid-19-Bedingungen“.
Gregor Tholl