Dresden / mv Albertinum zeigt Leben und Werk des Künstlers, dessen Oeuvre weit über Holzskulpturen hinausgeht.

Sie ist zurück. Nach 83 Jahren steht Ernst Barlachs „Frierendes Mädchen“ wieder im Dresdner Albertinum, allerdings nur für fünf Monate. Das 1917 entstandene und 1937 von den Nazis als „entartet“ aus der Skulpturensammlung beschlagnahmte Kunstwerk gehört zu 25 Holzskulpturen, dem Herzstück einer einzigartigen und umfangreichen Retrospektive. Damit feiern die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und das Ernst Barlach-Haus Hamburg – Stiftung Hermann F. Reemtsma Hamburg ab Samstag den 150. Geburtstag des bedeutenden Bildhauers der Klassischen Moderne.

Die Ausstellung (bis 10. Januar 2021) zeichnet Barlachs Entwicklung „vom verfolgten Künstler im Nationalsozialismus zur staatlichen Identifikationsfigur in der DDR und zur geschätzten Künstlerpersönlichkeit im Westen nach 1945 nach“, wie SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann im Vorwort des knapp 500-seitigen Katalogs schreibt. Im Mittelpunkt stehen die „Hölzer“, denen Barlach seine Bedeutung als Bildhauer verdankt. Der chronologische Rundgang durch Leben und Werk zeigt Barlach aber auch als multimedial arbeitenden Künstler.

Die „Hölzer“ sind allesamt Unikate und Leihgaben des Barlach-Hauses. „Damit ist seit Jahrzehnten erstmals eine solche Anzahl überhaupt wieder in einer Präsentation vereint“, sagt dessen Leiter Karsten Müller. Das gebe es „so wohl nur einmal pro Generation zu sehen“.

Beginnend mit einem „Brutus“ nach Michelangelo, wie er dem jungen Barlach an der Hamburger Kunstgewerbeschule zur Anschauung diente, werden die Dresdner Studienzeit 1891 bis 1894 bei Bildhauer Robert Diez (1844–1922), Barlachs Verfemung in der Nazi-Zeit, Rezeption und Anerkennung in beiden deutschen Staaten nach 1945 ebenso wie Zeichnungen, Drucke, Illustrationen und literarischen Werke beleuchtet.

Der 1870 in Wedel bei Hamburg geborene Künstler, der 1938 in Rostock starb, hinterließ mit über 10 000 Skizzen, 2800 Zeichnungen, mehr als 600 plastischen Arbeiten sowie acht Dramen und einer umfangreichen Prosa ein opulentes Oeuvre. Simona Block