Stuttgart / Hanns-Horst Bauer Mit einem früheren Termin und ambitioniertem Programm soll ein neues Publikum erschlossen werden.

Nach einem Jahr Denkpause stellte die Internationale Bachakademie Stuttgart ihr runderneuertes Musikfest vor. Das wird künftig immer am letzten Wochenende der Pfingstferien beginnen, diesmal am 12. Juni mit knapp 50 Veranstaltungen, und sich über 16 Tage erstrecken. Mit dem Motto „#heilignüchtern“, einem Gedicht von Friedrich Hölderlin entnommen, will die Akademie auf die „Polarität und Dialektik“ des Programms hinweisen, so Chefdramaturg Henning Bey.

Aus den gegensätzlichen Begriffsfeldern „geistlich-weltlich, ekstatisch-nüchtern, modern-alt“ ziehe das neue, breit aufgestellte Musikfest  seine Inspiration. Dabei zielt Akademieleiter Hans-Christoph Rademann, wie seinerzeit Akademie-Gründer Helmuth Rilling mit dem „Europäischen Musikfest“, auf große Strahlkraft: „Wir wollen Musik in Stuttgart ganz groß machen.“

Da darf natürlich, neben vielen neuen Konzertformaten, die Intendantin Katrin Zagrosek vorstellte, der Thomaskantor nicht fehlen. Achtmal gibt’s wieder die beliebten „Sichten auf Bach“, darunter auch die Matthäuspassion mit der Gaechinger Cantorey, und im Eröffnungskonzert eine Konfrontation von Bach-Kantaten mit der Uraufführung eines Werks von Mark Andre, „rwh 2“. Das Thema dieses Abends, „ . . . aus dem Geiste geboren“, hat es Rademann ganz besonders angetan: „Ich wollte unbedingt mal etwas über den Heiligen Geist machen.“

Weich gebettet im Liegekonzert

Zum ersten Mal kooperiert die Bachakademie bei ihrem Musikfest mit anderen örtlichen Kulturinstitutionen, der Staatsoper, dem SWR Symphonieorchester, den Stuttgarter Philharmonikern, der Stiftsmusik, der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie oder dem Deutschen Literaturarchiv Marbach. „Das erlaubt  uns eine spannende Öffnung des Programms bis hin zur Opernpremiere von „Cavalleria rusticana“ und Sciarrinos „Luci mie traditrici“ als krönendem Festival-Abschluss“, freut sich die Intendantin.

Zu den Highlights des Programms dürften neben Max Bruchs selten aufgeführtem  „Lied von der Glocke“ mit Rademann oder dem Mittagskonzert mit dem Thomanerchor Leipzig die drei spektakulären Klangreisen am „Tag der Musik“ in der alternativen Stuttgarter Spielstätte Im Wizemann gehören. Da ist, so im Hochglanz-Programmbuch zu lesen, „für jeden etwas dabei, von der Familie über den Fan der Barockmusik und die an Neuem Interessierten bis hin zur Club- und Subkultur“. Und es gibt sogar, bei „Out of the box“, ein veritables Liegekonzert: „Weich gebettet in musikalische Farben eintauchen.“

Hanns-Horst Bauer