Stuttgart / Von Melissa Seitz Einer der erfolgreichsten Liebesfilme der 90er Jahre ist längst für die Bühne adaptiert. Zwei Jahre nach der Deutschlandpremiere in Berlin kommt „Ghost“ nun auch ins Stuttgarter Stage-Palladium-Theater. Von Melissa Seitz

Der Film „Ghost – Nachricht von Sam“ als Musical auf der Bühne – kann das funktionieren? Schließlich sind die Schauspieler Patrick Swayze alias Sam und Demi Moore alias Molly nach dem Filmstart 1990 zum Sinnbild der innigen Liebe geworden. Wie könnte das jemand toppen?  Riccardo Greco und Roberta Valentini haben die Herausforderung angenommen. Sie verkörpern das junge Paar Molly und Sam im Musical „Ghost“, das am Donnerstag im Stage-Palladium-Theater in Stuttgart Premiere feierte. Schon von dem Moment an, als die beiden erstmals die Musicalbühne betreten, sind Patrick Swayze und Demi Moore vergessen. Der Film ist Geschichte. Das Bedürfnis, die beiden Produktionen zu vergleichen, ist verschwunden. Es existiert nur noch „Ghost – Das Musical“. Und das ist poppig, leidenschaftlich, fetzig und magisch zugleich.

Sam und Molly sind unsterblich ineinander verliebt. Nach einem Restaurantbesuch wird Sam von einem Räuber angeschossen und stirbt. Sein Geist bleibt auf der Erde. Während Molly trauert, findet Sam heraus, dass auch seine Geliebte in Gefahr ist. Doch als Geist kann er mit den Lebenden nicht sprechen und seine Partnerin nicht warnen. Durch die Spirituelle Oda Mae versucht er, sich dem Schicksal in den Weg zu stellen.

Oscar für das Filmskript

Das Musical basiert auf dem 1990 erschienen Film „Ghost – Nachricht von Sam“. Der Streifen wurde mit einem Budget von nur 22 Millionen Dollar produziert, spülte aber über 500 Millionen Dollar in die Kinokassen. 2011 feierte das Musical „Ghost“ seine Welturaufführung in Manchester, 2017 war die Deutschlandpremiere in Berlin. Bruce Joel Rubin, der für das Filmskript mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, schrieb auch das Buch für die Musicalfassung. Ruth Deny und Roman Hinze übersetzten Dialoge und Gesangstexte ins Deutsche.

Riccardo Greco und Roberta Valentini verkörperten das Liebespaar bereits in Hamburg, sie sind ein eingespieltes Team. Den beiden nimmt man das frisch verliebte Paar ab. Tiefe Blicke, Streichel­einheiten – und fast wird das Publikum Zeuge einer wilden Sex-Szene, bevor die Techniker das Licht auf der Bühne verdunkeln. Leidenschaft gibt es auch in der berühmten Töpferszene.

Stimmlich überzeugen Roberta Valentini, Riccardo Greco und die Nebendarsteller Thomas Hohler, der Sams Freund Karl spielt, sowie Kim Sanders alias Oda Mae – auch wenn man bisweilen genau hinhören muss, um die Texte zu verstehen. Die Darsteller kämpfen manchmal regelrecht gegen das Orchester und den Live-Chor an. Apropos Musik: Das Herz geht wohl vielen auf, wenn Sam die Ballade „Unchained Melody“ singt, die auch schon im Film zu hören war. Die restlichen von Dave Stewart und Glen Ballard komponierten Lieder zünden aber nicht immer. Lediglich beim gefühlvollen Song „Du“, gesungen von Roberta Valentini, und dem Lied „Die Zweifel sind nun fort“ am Ende des ersten Aktes herrscht Gänsehautstimmung.

Der heimliche Star der Show ist Kim Sanders in der Rolle der Oda Mae: frech, ein bisschen verrückt, doch das Herz am rechten Fleck. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund – Flüche und vulgäre Ausdrücke inklusive. Kim Sanders sorgt mit ihren lockeren Sprüchen für Lacher in dem sonst eher dramatischen Stück. Der perfekte Gegenpol.

Beton, kahle Wände, kaum Requisiten: Die Kulisse von „Ghost“ ist auf den ersten Blick kein optischer Genuss. Doch mittels Projektionen und Lichteffekten verwandelt sich das Bühnenbild vom Loft mit kühlen Betonsäulen in die Büroräume eines Hochhauses in Manhattan oder in einen düsteren U-Bahn-Schacht. Ein echtes Highlight ist Sams Begegnung mit dem U-Bahn-Geist, der so gar nicht erfreut ist, ihn zu sehen. Eine Kampfszene beginnt: Die U-Bahn fährt über die Bühne, Sam wird in den Abteilen hin und her geschleudert, es blitzt, Funken sprühen, Zeitungen fliegen durch die Luft. Neben viel Gefühlsdrama ist also auch etwas für Action- und Magie-Fans dabei.

„Ghost“ als Musical auf der Bühne ein Ding der Unmöglichkeit? Ganz im Gegenteil.

Nach dem Geist kommen die Vampire

Nur fünf Monate lang macht das Musical „Ghost“ Halt im Stage-Palladium-Theater. Danach kehrt eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Musicals zurück nach Stuttgart. Ab April 2020 betreten die Blutsauger wieder die Bühne. Für „Tanz der Vampire“ ist es die vierte Spielzeit im SI-Centrum. Karten gibt es bereits zu kaufen. Info: www.stage-entertainment.de. sei