Aalen / Jürgen Kanold In Aalen stellt der Kunstverein eine „Pallas Athene“ aus, die noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen war.

Auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte der Taschen Verlag einen XXL-Prachtband: „Rembrandt – sämtliche Gemälde“. Es sind 330 Werke des vor 350 Jahren gestorbenen niederländischen Superstars, die Volker Manuth, Marieke de Winkel und Rudie van Leeuwen zeigen und beschreiben. In Aalen aber hängt derzeit in den Räumen des Kunstvereins im Alten Rathaus noch ein weiterer gemalter Rembrandt, und zwar gülden gerahmt – Titel: „Hendrickje Stoffels als Pallas Athene“, um 1653-1655 entstanden. Eine Sensation?

„Lehrer Rembrandt – Lehrer Sumowski“ heißt die feine Ausstellung, die Artur Elmer auf die Beine gestellt hat: Der komplett gereinigte, unbekannte Rembrandt ist das Highlight, um das sich Werke seiner Schüler und anderer Niederländer aus dem „Goldenen Zeitalter“ gruppieren. Werner Sumowski (1931-2015) war ein Stuttgarter Kunsthistoriker und Rembrandt-Forscher, der diese behelmte, jugendliche Göttin der Weisheit und des Kampfes in Gestalt von Rembrandts Haushälterin und späterer Lebensgefährtin entdeckt hatte – im Jahre 1962 publizierte er seinen Fund in der Kunstzeitschrift „Pantheon“.

Das Gemälde – nicht zu verwechseln mit Rembrandts berühmter „Pallas Athene“, die zu den Schätzen des Lissabonner Gulbenkian-Museums gehört – ist noch nie öffentlich gezeigt worden. In Aalen glänzt es frisch restauriert. „Privatsammlung“ steht  auf der Texttafel daneben. Die Provenienz: „Berliner Antiquitätenhandel“. Und auch auf Nachfrage unserer Zeitung möchte Kunstvereins-Chef Elmer nicht mehr verraten.

Achim Riether, Kurator der Staatlichen Graphischen Sammlung in München, aber schreibt im Katalog ausführlich kunsthistorisch-wissenschaftlich über dieses Gemälde und beleuchtet dessen Qualitäten. Ein Grund dafür, dass diese „Pallas Athene“ nicht zum offiziellen Rembrandt-Kanon gehöre und nicht wahrgenommen worden sei, begründe sich darin, dass es damals nur in „jämmerlicher Bildqualität“ und schwarzweiß publiziert worden sei. Jetzt aber sei es zum ersten Mal zu erleben und zu beurteilen. Also los, auch Volker Manuth, Herausgeber des Rembrandt-Prachtbands, werde nun in Aalen erwartet, sagte Riether unserer Zeitung. Jürgen Kanold

Info Die Ausstellung „Rembrandt Lehrer – Lehrer Sumowski“ ist bis zum 8. Dezember im Kunstverein Aalen ( Marktplatz 4) zu sehen: Di-So 19-17 Uhr.