Berlin / Helmut Pusch Mit „Schlüssel 17“ startete Marc Raabe seine Reihe um seinen Helden Tom Babylon. Jetzt legt er nach: „Zimmer 19“.

Es ist ein Schock: Bei der Eröffnung der Berlinale flimmert ein Snuff-Video über die Leinwand. Eine junge Frau, die Tochter des Regierenden Bürgermeisters Otto Keller, wird vor laufender Kamera ermordet.

Ist das alles nur gespielt oder Realität? Ein Unbekannter hat den Vorführer gezwungen, die Datei in den Projektor einzuspeisen, dann hat er den Vorführer gefesselt und geknebelt und ist unerkannt verschwunden. Tom Babylon vom LKA und die Psychologin Sita Johanns ermitteln unter Hochdruck. Doch eine Gruppe von Prominenten um Keller mauert. Was hat der Bürgermeister zu verbergen? Und wer ist die Zeugin, die aussieht wie Tom Babylons vor Jahren verschwundene Schwester?

Auf Anhieb erfolgreich

So startet Marc Raabes neuer Thriller „Zimmer 19“. Und der setzt die Reihe um das Ermittler-Duo Babylon/Johanns so fulminant fort, wie sie mit „Schlüssel 17“ begonnen hatte. Denn erzählen kann dieser Marc Raabe, der seine ersten Super-8-Filme mit 15 drehte – mit einem Freund, der heute noch sein Partner in der gemeinsamen Filmproduktionsfirma ist. Lernen durfte er den Job nicht: Die Hochschule für Film und Fernsehen in München lehnte seine Bewerbung seinerzeit ab. Und auch das Schreiben hat er sich selbst beigebracht, war dabei mit seinen Thrillern auf Anhieb erfolgreich.

2012 veröffentlichte er seinen ersten Roman „Schnitt“, 2013 folgte „Der Schock“. Beide standen wochenlang auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. 2018 kam „Schlüssel 17“, der erste Roman um Tom Babylon, jetzt liegt der zweite Teil vor. Und der ist wieder eine virtuose Melange aus seltsamen Typen, dem heutigen Berlin und der Zeit kurz nach der Wende. Damals ist Babylons Schwester verschwunden, damals ist auch die spätere Psychologin Sita Johanns als 15-Jährige von einer Clique vergewaltigt worden, deren Mitglieder die Behörden nicht fürchteten. Ihr Freifahrtschein: Das Wissen um Vorkommnisse, bei denen die Zahl 19 eine wichtige Rolle spielte. Die 19 haben die Gangster damals Sita sogar brutal auf die Haut gebrannt, um zu verhindern, dass sie zur Polizei geht. Und die 19 taucht auch in dem Berlinale-Snuff-Video auf. Offensichtlich als Drohung, die funktioniert. Denn mit Babylon und Johanns will niemand über diese Zahl reden. Helmut Pusch