Helmut Pusch „Tödliche Auszeit“ heißt Su Turhans neuer Roman mit Zeki Demirbilek als Münchner Kommissar Pascha. 

Er fastet im Ramadan und träumt dabei von Weißbier und Schweinsbraten, er wechselt mühelos zwischen Bairisch, Hochdeutsch und Türkisch. Zeki Demirbilek ist als Zwölfjähriger von Istanbul nach München gezogen und leitet jetzt dort eine Polizeisondereinheit, die bei Verbrechen mit Migrationshintergrund ermittelt.

Die gibt es in der Realität nicht, erfunden hat sie einer, der als Zweijähriger aus Istanbul nach Straubing kam. Su Turhans Eltern waren als Gastarbeiter regelrecht angeworben worden. Und wie sein Kommissar ist Su Turhan ein bayerischer Türke oder eben ein türkischer Bayer. Er kennt beide Welten – aber auch die Sehnsucht. Und die spielt eine zentrale Rolle im nunmehr siebten Roman um Kommissar Pascha, wie Demirbileks Kollegen ihren Chef nennen – heimlich. Aber natürlich kennt Demirbilek seinen Spitznamen.

Vermisste Nichte

„Tödliche Aussicht“ spielt vor dem Hintergrund der Münchner Sicherheitskonferenz. Nach deren Ende plant Demirbilek eigentlich, ein Sabbat-Jahr in Istanbul einzulegen. Dort will er seine Ex-Frau Selma, die als Professorin in Istanbul arbeitet, wieder für sich gewinnen. In München führt der Polizist in seiner Fantasie täglich Gespräche mit Selma, in die er schon als kleiner Junge verliebt war. Doch es kommt anders.

Die Nichte seiner Kollegin Isabel Vierkant sichert als Bereitschaftspolizistin die Konferenz ab und verschwindet spurlos. Für die Dauer des Einsatzes hat sie sich als Untermieterin in einem Haus eingemietet,  in dem es Jahre zuvor ein Familiendrama gegeben hat. Ihre Vermieterin  ist die Tochter eines türkischen Gastwirtes, den Demirbilek aus einem anderen Fall kennt. Sie hat den Kontakt zu ihrem Vater abgebrochen, lebt von Datendiebstahl und Internet-Dienstleistungen. Und sie hat in einem Café ausgerechnet den Laptop eines Mannes angezapft, der ein erfolgreicher Waffenkonstrukteur ist.

Das alles ahnen die Mitarbeiter der Migra-Einheit nicht, als sie versuchen, Vierkants Nichte zu finden. Demirbilek weiß: Er kann jetzt seine Sondereinheit nicht allein lassen. Sein Sabbatjahr in Istanbul muss also warten.  Dazu kommt: Seine Kollegin Jale Cengiz, die auch die Mutter von Demirbileks Enkel ist, hat ihre Versetzung nach Berlin genehmigt bekommen. Demirbileks deutsche Welt löst sich immer mehr auf.  Helmut Pusch