Berlin / dpa „Vom Winde verweht“ ist seit über 80 Jahren ein Bestseller – und jetzt sprachlich entstaubt worden.

Scarlett O’Hara ist wieder da, ebenso wie Rhett Butler, Mammy, das Gut Tara, der Brand von Atlanta und all die anderen Elemente aus dem berühmten Roman von Margaret Mitchell. Der ist in einer neuen deutschen Übersetzung erschienen und heißt nun „Vom Wind verweht“. Das fehlende „e“ im Vergleich zum altbekannten „Vom Winde verweht“ deutet an, dass die von Liat Himmelheber und Andreas Nohl erstellte Übersetzung des Erfolgsromans „Gone with the Wind“ aus dem Jahr 1936 deutlich zeitgemäßer ist als die bislang einzig vorliegende deutsche Fassung von Martin Beheim-Schwarzbach aus dem Jahr 1937.

Dass Mitchells Roman mit seiner durchsetzungsstarken weiblichen Hauptfigur durchaus modern war, erkannten bereits zeitgenössische Kritiker, die dem Roman ansonsten wegen seiner Darstellung romantischer Liebe und üblen Rassismus‘ kritisch gegenüberstanden. Bereits 1937 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, wurde die Wahrnehmung der Geschichte ganz entscheidend durch die Hollywood-Verfilmung von 1939 beeinflusst. Fast jeder assoziiert die Figur der Scarlett mit der Schauspielerin Vivien Leigh und Rhett Butler mit Clark Gable. Die Festlegung, dass es sich um einen Liebesschmöker handelte, war unvermeidlich.

Warum dann eine neue Übersetzung nach über 80 Jahren? Im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ begründete Nohl das Projekt so: „Es ist ein enorm komplexer Roman, der sehr viele Themen und Bereiche abdeckt.“ Er und Himmelheber haben eine sprachlich an die Gegenwart angepasste Fassung geschaffen, aber auch „Vom Wind verweht“ bleibt – wie jede Übersetzung – inhaltlich an das Original gebunden. Die vielen ausufernden Handlungsstränge sind ebenso erhalten geblieben wie der Rassismus der Gesellschaft, in der die Handlung spielt. Aber die Sprache ist weniger verschnörkelt und frei von den Klischees, die im englischen Original gar nicht erst vorhanden waren. Axel Knönagel

Margaret Mitchell: Vom Wind verweht. Neu übersetzt von Liat Himmelheber und Andreas Nohl. Verlag Antje Kunstmann, 1284 Seiten, 38 Euro.