Die Ausstellung hätte zum Highlight der Pariser kulturellen Frühlingssaison werden sollen, ebenso wie die Verpackung des Triumphbogens. Beide Ereignisse konnte Christo noch mit vorbereiten, keines kann er miterleben. Der Verhüllungskünstler ist am 31. Mai gestorben – kurz vor seinem 85. Geburtstag. Mit „Christo und Jeanne-Claude – Paris!“ widmet das Centre Pompidou dem Meister jetzt nicht nur eine Ausstellung, sondern auch eine Hommage. Die bis zum 19. Oktober dauernde Werkschau öffnet unter strengen Corona-Regeln an diesem Mittwoch.

Die Ausstellung legt den Fokus auf die Pariser Jahre von Christo und seiner Frau Jeanne-Claude. Zu der Stadt habe er ein sehr persönliches Verhältnis, sagte  der Künstler im Vorfeld der Ausstellung, die wegen der Corona-Krise nicht wie geplant Mitte März öffnen konnte. Als er aus dem kommunistischen Bulgarien flüchtete, habe er umgehend versucht, nach Paris zu kommen. Christo lebte zwischen 1958 und 1964 in der Metropole, wo er seinen Lebensunterhalt mit dem Malen von Porträts verdiente. Einige davon sind im Centre Pompidou zu sehen, darunter das von Brigitte Bardot und seiner Frau Jeanne-Claude. Beide sind verhüllt, denn Christo begann in Paris Alltagsgegenstände wie Flaschen, Stühle oder Kinderwagen zu verpacken.

Er habe dies nicht getan, um die Konsumgesellschaft zu kritisieren, sondern um die wesentlichen Linien sichtbar zu machen, erklärt Kuratorin Sophie Duplaix. So wie bei der Pariser Pont-Neuf, die er 1985 verhüllt hat. Christo hatte zusammen mit seiner 2009 gestorbenen Frau jahrelange Überzeugungsarbeit geleistet, um die Erlaubnis für das Projekt zu bekommen.

In der Schau sind auch Entwürfe zu sehen, die den Triumphbogen verhüllt zeigen. Sie stammen aus dem Jahr 1962. Schon damals wollte Christo das Wahrzeichen verpacken, das neben der historischen Symbolik für ihn auch eine sehr persönliche Bedeutung hat. Die Verhüllung des Baus mit rund 25 000 Quadratmetern silber-bläulichem Stoff hätte im April stattfinden sollen. Nun soll das Projekt im September 2021 realisiert werden. Sabine Glaubitz