Berlin / Christina Tilmann Fünf Gemälde, die 1979 aus Schloss Friedenstein verschwanden, sind  zurückgegeben worden.

Er habe eine Träne im Auge gehabt, sagte Gothas Bürgermeister Knut Kreuch gestern, als die fünf Bilder von Frans Hals, Hans Holbein d.Ä., Jan Brueghel, einem Schüler von Anthonis van Dyck und einem Rembrandt-Schüler im September 2019 im Rathgen-Forschungslabor angekommen waren. Jetzt sind sie in Berlin präsentiert worden.

Es ist das Ende eines Kunstkrimis. Als im Juli 2018 ein Rechtsanwalt an Kreuch herantrat und ihm fünf Farbfotografien vorlegte, war ihm sofort klar, was das bedeutete. Die fünf Gemälde, die in der Nacht vom 14. Dezember 1979 aus Schloss Friedenstein gestohlen worden sind, waren nur durch Schwarzweiß-Fotos bekannt. Wer Farbbilder vorlegte, musste die Bilder gesehen haben.

Dass sie zurückgekommen sind, ist die Folge von Kreuchs Verhandlungsgeschick. Denn die Besitzer, eine Erbengemeinschaft, die zunächst eine hohe Kaufsumme gefordert hatte, hätten die Bilder dank der Verjährung nicht herausgeben müssen, auch wenn die Stadt Gotha das Eigentumsrecht nie verloren hat.

Dass die Besitzer sich darauf einließen, alle fünf Bilder zur Echtheitsprüfung herauszugeben, war also überraschend. Als sie am 30. September 2019, eingewickelt in Noppenfolie, im Hof des Rathgen-Instituts ausgeladen wurden, hatte Kreuch, der die Verhandlungen quasi im Alleingang und unter strengster Verschwiegenheit geführt hatte, „weiche Knie“. Der Termin war zuvor zweimal geplatzt.

Am Ende musste kein Kaufpreis, noch nicht einmal ein Finderlohn oder eine Vermittlungsgebühr gezahlt werden. Die Beratungs- und Logistikkosten in Höhe von etwa 50 000 Euro übernahm die Ernst von Siemens-Kunststiftung.

Wo die Bilder 40 Jahre lang aufbewahrt wurden, wie sie die DDR verließen, wer sie wann kaufte und wer sie 1979 aus Gotha gestohlen hat, ist auch den an der Verhandlungen Beteiligten nach wie vor unbekannt. Man könne auf einem Bild im Hintergrund eine Raufasertapete erkennen und gehe davon aus, dass sie in einem Wohnraum hingen, mutmaßt Kreuch. Bis 26. Januar werden sie im Herzoglichen Museum in Gotha gezeigt und anschließend restauriert.

Christina Tilmann