Seinen 100. Geburtstag im Dezember 2016 hatte Schauspieler Kirk Douglas noch groß gefeiert. Dazu lud der Patriarch der Schauspieler-Familie prominente Freunde zu einer Tee-Party ein. Zu den Gratulanten zählten Filmschaffende wie Regisseur Steven Spielberg. Nun trauern Familie und Filmwelt um den rebellischen Leinwandhelden. Am Mittwoch starb Douglas im Alter von 103 Jahren, wie sein Sohn Michael „in tiefster Trauer“ mitteilte. Auch andere Stars kondolierten. Sylvester Stallone etwa schrieb: „Der letzte große Riese meiner Kinohelden ist von uns gegangen in den unendlichen Ruhm.“

In den vergangenen Jahren waren Douglas’ Auftritte in der Öffentlichkeit seltener geworden, aber seine Meinung tat er auch noch mit fast 100 kund. So warnte der liberale Star mit dem markanten Grübchen im Kinn noch im Herbst 2016 vor den Folgen eines Wahlsieges von Donald Trump. Er selbst sei 16 Jahre alt gewesen, als 1933 ein Mann in Deutschland an die Macht kam, den zuerst niemand ernst genommen habe. Einer, den man zuerst für einen Clown gehalten habe.

Douglas, der Sohn jüdisch-russischer Einwanderer, musste sich seine Karriere hart erkämpfen. Als Issur Danielovitch Demsky geboren, wuchs er mit sechs Schwestern im Armenviertel der Industriestadt Amsterdam im US-Bundesstaat New York auf. Mit Jobs als Hausmeister und Ringer auf Jahrmärkten finanzierte er sein Studium, um möglichst schnell auf die Schauspielschule zu kommen. Nach dem Krieg hatte er Glück. Seine frühere Klassenkameradin Lauren Bacall, die Douglas schon kleinere Rollen am Broadway verschafft hatte, empfahl ihn bei den Studiobossen in Hollywood. Als Alkoholiker-Ehemann von Barbara Stanwyck debütierte er 1946 in dem Film „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ so überzeugend, dass rasch weitere Hauptrollen folgten.

Douglas spielte in mehr als 80 Filmen, oft unter großen Regisseuren wie Billy Wilder, Howard Hawks, Otto Preminger oder Elia Kazan. Allein mit seinem Leinwandfreund Burt Lancaster stand er sieben Mal vor der Kamera, angefangen beim Gangsterdrama „14 Jahre Sing Sing“ bis hin zu der selbstironischen Gaunerkomödie „Archie & Harry – Sie können‘s nicht lassen“. In seinen Filmen hatte Douglas eine Vorliebe für Bösewichte, Draufgänger und schmutzige Helden.

Drei Mal wurde er für den Oscar nominiert: für die Rolle des rücksichtslos-ehrgeizigen Boxers in „Zwischen Frauen und Seilen“, als machtbesessener Filmproduzent in „Stadt der Illusionen“ und für sein packendes Künstlerporträt „Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft“. Stets ging er leer aus. Erst 1996 nahm er den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk in Empfang.

Wie viele seiner Helden hat auch Douglas sich nie dem Druck von oben gebeugt. Mit der Gründung einer Produktionsfirma wurde er in Hollywood sein eigener Herr. Für die Großproduktion „Spartacus“ unter der Regie von Stanley Kubrick verpflichtete Douglas Dalton Trumbo als Drehbuchschreiber, obwohl dieser auf der schwarzen Liste der geächteten kommunistischen Künstler stand. Er selbst trumpfte in dem Historienepos als der legendäre Sklavenanführer auf.

Privat lief nicht immer alles glatt für den Kinostar. Zu seinem zweifach Oscar-gekrönten Sohn Michael, der im Schatten des berühmten Vaters aufwuchs, hatte er lange Zeit ein schwieriges Verhältnis. Kirk und dessen Mutter Diana Douglas (1923-2015) trennten sich, als er und Bruder Joel noch klein waren. Mit seiner zweiten Frau, der in Hannover geborenen Anne Buydens, hatte Kirk Douglas ebenfalls zwei Söhne. Der jüngste, Eric, starb mit 46 Jahren an einer Überdosis Tabletten und Alkohol. Kirk Douglas überlebte 1991 einen Hubschrauberabsturz nur knapp, nach einem Schlaganfall 1995 musste er sich das Sprechen mühsam wieder lernen. Barbara Munker

Die Leidenschaft für Film vererbte er weiter


Das Filmgeschäft liegt Familie Douglas im Blut: Mit seinem zweifach Oscar-gekrönten Sohn Michael („Wall Street“) spielte Kirk Douglas 2003 erstmals gemeinsam in der Komödie „Es bleibt in der Familie“. Auch Ex-Frau Diana Douglas und Enkel Cameron standen vor der Kamera.

Michaels Bruder Joel wirkte an mehreren Filmen als Produzent mit. Auch Kirk Douglas Söhne aus zweiter Ehe, der 2004 verstorbene Eric und Peter waren in der Filmbranche aktiv.