Raimund Weible Rolf Schlenker erzählt, wie vier junge Kommunisten dem Diktator 1933 in Stuttgart das Wort abschnitten.

Es geschah vor 87 Jahren. Adolf Hitler stand am Pult der Stuttgarter Stadthalle. Vor 10 000 Zuhörern hielt er eine Propagandarede, zwei Wochen nach seiner Ernennung zum Reichskanzler. Wüst griff er den württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz (Zentrum) an, dem er das nahe politische Ende ankündigte: „Es hat sich ausgebolzt!“

Die Rede wurde, damals noch ungewöhnlich, vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart und dem Südwestdeutschen Rundfunk Frankfurt übertragen. Hitlers Wahlkampf-Tirade sollte bis 21.25 Uhr dauern. Doch um 21.17 Uhr brach die Übertragung ab, eben als Hitler das Wort „Erfolg“ aussprach. Der Grund: Mit zwei Beilhieben hatte ein junger Kommunist das Übertragungskabel durchtrennt. Hitler selbst erfuhr erst später davon, reagierte mit einem Tobsuchtsanfall.

Der Baden-Badener Rundfunkjournalist Rolf Schlenker hat über den Vorgang vom 15. Februar 1933, der als „Stuttgarter Kabelattentat“ bekannt ist, einen Tatsachenroman geschrieben. Er stützte sich auf die überlieferten Fakten, gestaltete die Widerstandstat erzählerisch aus.  So sind die Dialoge zwischen den Agierenden erfunden oder nachempfunden.

 Die Idee, Hitler das Wort abzuschneiden, hatte Theodor Decker, kommunistischer Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzender im Telegrafenamt. Die ­Organisation übernahm ein Kommunist aus Bietigheim, der spätere SED-Chefideologe Kurt Hager. Die jungen Arbeiter Wilhelm Bräuninger, Alfred Däuble, Hermann Medinger und Eduard Weinzierl führten die Tat aus.

Sie wussten, dass das Übertragungskabel an zwei Stellen oberirdisch verlief, so auch in der Werderstraße im Stuttgarter Osten. Zwei SA-Leute bewachten allerdings die Stelle. Bräuninger und Weinzierl verwickelten sie in ein Gerangel und lenkten sie ab.

Diesen Moment nutzten ihre zwei Kameraden. Däuble stieg auf die Schultern von Medinger und durchtrennte mit zwei Beilhieben das Kabel. Die vier Widerstandkämpfer wurden erst zwei Jahre später ermittelt und erhielten Haftstrafen zwischen 21 und 24 Monaten. Theodor Decker  kam ins KZ Dachau und starb 1940 im KZ Mauthausen.

Schlenker beklagt die mangelhafte Anerkennung für die mutigen Männer. Für sie gebe es „kein Denkmal, keine Erinnerungstafel, nichts“. Er fordert ein offizielles Erinnern durch die Stadt ein.

Raimund Weible