Stuttgart / lsw Die Fantastischen Vier gibt es seit 30 Jahren. Nach zehn Studioalben und vielen Konzerten sind sie jetzt reif fürs Museum.

Deutscher Hiphop kann klingen wie ein Baumschneidekurs: „Schnippndibipnbadip sipndipndip“ rappten und reimten die Fantastischen Vier Anfang der 1990er Jahre noch unbedarft. Ein hüpfender, johlender Gegenentwurf war das damals zum dunklen Gangster-Rap mit seinen Bildern aus Gewalt und Verachtung – deutschsprachiger Rap, ein Exot. In den vergangenen 30 Jahren sind die Jungs der bekanntesten Stuttgarter Export-Band von einer bunt gekleideten, halbstarken Spaßband zu charismatischen Bühnen-Veteranen mutiert. Politischer ist ihr Reime-Rap geworden, tiefgründiger und dennoch familienfreundlich, tanzbar und nie wirklich belanglos. Nun sind die „Fantas“ sogar reif fürs Museum. 

Zur Feier des 30. Bühnenjubiläums haben das Quartett und das Stuttgarter Stadtpalais tief in der Klamottenkiste gekramt, die Fotoalben durchgeblättert und in die Archive geschaut. Alte Schallplatten, T-Shirts und Autogrammkarten, klobige Computer und Aufkleber, sogar der halbierte, begehbare Wohnwagen eines treuen Fans – das Stuttgarter Stadtpalais hat alles gesammelt, was die Erinnerung an die vergangenen drei Jahrzehnte mit den Fantastischen Vier hochleben lässt.

Unter dem Titel „Troy“, eine Anspielung an einen Titel aus dem Jahr 2004, stellt das Stadtmuseum diese geradezu hymnisch aufgemachte Reminiszenz zusammen. Vor allem für Fans gehört bis Ende März 2020 ein Besuch zum Pflichtprogramm. Andere könnten in der chronologisch angeordneten Schau ein wenig den Überblick verlieren.

Wirklich ahnen konnten sie damals, am 7. Juli 1989, nicht, dass aus ihnen mal ein gefeiertes Musikprojekt werden würde: beim ersten Auftritt auf einer Bühne in einem stillgelegten Kindergarten hüpften die HipHopper für 3,50 Mark Eintritt auf wackeligen Euro-Paletten. Es war das erste Konzert unter ihrem deutschen Namen. „Deshalb haben wir dieses Datum als unseren Geburtstag auserkoren“, sagt Bandmitglied And.Ypsilon. Ein paar Jahre später gelingt ihnen mit „Die da!?!“ der Durchbruch.  dpa

Info Die Ausstellung läuft bis zum 29. März 2020, Di – So 10 bis 18 Uhr.