Sein Büro um die Ecke vom Kurfürstendamm in Berlin ist mit Goldenen Schallplatten tapeziert. Jack White war Deutschlands Schlagerkönig. Seine Gassenhauer wie „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ und „Schöne Maid“ kommen aus den Zeiten, als es nur drei Fernsehprogramme gab. Der Mann, der bürgerlich Horst Nußbaum heißt, steckt auch hinter Welthits wie „Gloria“, „Self Control“ und „When the Rain Begins to Fall“. Am 2. September wird der Produzent, Komponist, Texter und Ex-Profi-Fußballer 80 Jahre alt. Mit 78 ist er in vierter Ehe zum sechsten Mal Vater geworden. Er hat mehr als eine Milliarde Tonträger verkauft und über tausend Lieder selbst geschrieben.

Auf der Liste seiner Künstler: Tony Marshall, Hansi Hinterseer, Roberto Blanco, Vicky Leandros, Laura Branigan, Paul Anka, Engelbert Humperdinck und Tony Christie. David Hasselhoff verdankt ihm die Mauerfall-Hymne „Looking for Freedom“, Hugo Egon Balder sein „Erna kommt“.

Sein Leben: eine deutsche Version der Tellerwäscher-zum-Millionär-Saga. 1940 wird White als Sohn eines Metzgers in Köln geboren. „Wir haben mit unserer Mutter, nachdem der Vater abgehauen ist, 15 Monate auf sechs Quadratmetern zu dritt in einem sogenannten Luftschutzbunker gelebt. Mich muss keiner aufklären, wie das Leben auch anders gehen kann.“ Er lernt Außenhandelskaufmann, macht Dolmetscherdiplome und schließlich eine erste Karriere als Fußballer.

Seine eigentliche Leidenschaft ist die Musik. Auf eine erste Single („Ein paar Tränen“) 1967 folgen vierzehn weitere Versuche – ohne Erfolg. Der Durchbruch kommt erst 1969 mit Roberto Blanco und dem Song „Heute so, morgen so“. Dann folgt die große Zeit der Hitparade. 1974 komponiert er für die deutschen Fußballer den WM-Hit „Fußball ist unser Leben“.

Trennungen und Rosenkrieg, Niederlagen und Enttäuschungen, schlechte Presse: Auch das gab es Whites Leben. Aus dem Musikgeschäft hat er sich vor Jahren verabschiedet. Seinen Geburtstag will er mit 50 Freunden in einem Stammrestaurant in Berlin feiern. Caroline Bock