Stuttgart / Jana Zahner Der Landtag beschäftigt sich mit den Konflikten auf der Schillerhöhe  – Direktorin Sandra Richter nimmt Stellung.

Seit Monaten gibt es interne Streitigkeiten im Deutschen Literaturarchiv (DLA). Sie sind derart massiv, dass sich nun auch die Landespolitik damit befasst. Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir wirft in einem Antrag an die Landesregierung die Frage auf, wie schwerwiegend die Personalkonflikte in Marbach sind und ob diese das nationale wie internationale Renommee der Einrichtung beschädigen. Es sei befremdlich, wenn personelle Streitigkeiten ein Ausmaß erreichten, „dass interne Strukturen diese Konflikte nicht mehr lösen können und bereits in der Presse darüber berichtet wird“.

Im Zentrum der Auseinandersetzungen steht Sandra Richter, die seit 2019 als Direktorin das Deutsche Literaturarchiv auf der Schillerhöhe leitet, eine weltweit bedeutende Forschungseinrichtung, ein Leuchtturm der bundesrepublikanischen Kultur. Zuletzt hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Mitarbeiter anonym zitiert, die der Direktorin unter anderem „überbordenden Egoismus“ und fehlende Empathie vorwerfen.

Zuvor hatten Mitarbeiter in einem Brandbrief, der der SÜDWEST PRESSE vorliegt, das aufsichtsführende 20-köpfige Kuratorium aufgefordert, sich mit der „desolaten Lage“ zu befassen (wir berichteten). Stein des Anstoßes sind vor allem zwei Personalentscheidungen von Sandra Richter: Die Kündigung von Verwaltungsdirektorin Dagmar Janson und die Rückkehr der zeitweise beurlaubten Museumsleiterin Heike Gfrereis. Die Direktorin lehnte ein Interview zu den Streitigkeiten am DLA ab, war aber bereit, die Fragen unserer Zeitung per E-Mail zu beantworten.

Wie bewerten Sie die internen ­Konflikte?

Sandra Richter: Unsere internen Konflikte haben, meine ich, erstens mit einer Personalie, zweitens mit einer Transformationsphase personeller, baulicher und struktureller Art und drittens mit den Folgen des Arbeitens unter den Bedingungen der Pandemie zu tun. Die Kolleginnen und Kollegen konnten sich und mich lange Zeit nur eingeschränkt und digital treffen. Erst am vergangenen Freitag war uns eine für die interne Verständigung dringend benötigte Mitarbeiterversammlung möglich.

Wie stehen Sie zum Vorwurf, Sie ­hätten Personalentscheidungen trotz erheblicher Bedenken innerhalb der Belegschaft durchgesetzt?

Heike Gfrereis stand stets in einem festen Arbeitsverhältnis; insofern gab es hier keine Entscheidung von mir. Sie kam lediglich nach einer Beurlaubung für ein längeres externes Ausstellungsprojekt etwas früher zurück ins DLA, da ihre Stellvertreterin gekündigt hatte. Bei der Freistellung von Frau Janson handelt es sich um ein laufendes Verfahren, dazu kann ich mich nicht äußern. Personalentscheidungen auf Leitungsebene treffe ich nicht allein, sondern in Abstimmung mit dem Vorstand der Deutschen Schillergesellschaft (DSG).

Gibt es Entscheidungen, die Sie rückblickend gerne anders getroffen hätten?

Nein. In 2019 musste ich vor allem die Zuwendungsgeber davon überzeugen, dass das DLA mehr Personal und Investitionsmittel für Bauvorhaben benötigt. Das ist gelungen, und nun sind wir dabei, diese Mittel Schritt für Schritt in einen gemeinsamen Arbeitsplan zu übersetzen.

Was werden Sie tun, um die personellen Streitigkeiten zu schlichten?

Ich suche das Gespräch, den intensiven Austausch. Auch streben wir eine Mediation an.

Was halten Sie von dem Vorschlag, das Literaturmuseum der Moderne, das Archiv, die Bibliothek und das Schiller-Nationalmuseum in eine Stiftung zu überführen und das DLA mit einer Doppelspitze zu führen?

Über Ideen wie diese werden wir beraten, das Haus muss über seine Organisationsstruktur nachdenken, wenn es wachsen möchte. Ein Umbau müsste aber so gestaltet sein, dass wir auch die Mitglieder der DSG mitnehmen können.

Welche Zukunftspläne haben Sie für die Digitalisierung und Sanierung des DLA?

Wir befinden uns – endlich und verzögert durch Covid-19 – in einer Planungsphase, um die schon sehr guten digitalen Ansätze im DLA weiterzuentwickeln. Künftige Bauvorhaben sind Teil dieser Planungsphase, an der alle Kolleginnen und Kollegen aus dem DLA teilhaben können. In einigen Monaten werden wir weitersehen. Jana Zahner