Hannover / dpa Schrill, bunt und laut: Nina Hagen ist mit 64 Jahren reif für eine große Ausstellung im Theatermuseum.

DDR-Girlie, Punk-Ikone und Kämpferin für Gerechtigkeit: Das bewegte Leben der Sängerin Nina Hagen zeichnet eine Ausstellung im Theatermuseum Hannover nach. Zu sehen sind rund 460 Objekte aus der Sammlung von Arne Buhrdorf, der sich als Elfjähriger in die Stimme der Punk-Queen verliebte. „Es war diese opernhafte Art zu singen. So etwas hatte ich vorher noch nie gehört“, erzählt der 52-Jährige. Seither hat er beinahe jeden Schritt der exzentrischen Künstlerin und Streiterin für Menschlichkeit verfolgt. Über 3000 Objekte umfasst seine Sammlung: von Platten über Plakate und Titelseiten bis hin zu Fan-Artikeln wie Schals, Kissen oder ein Nina-Hagen-Kartenspiel.

Die bis zum 12. Januar laufende Schau ist in zwölf Kapitel gegliedert und erzählt – unterstützt von Ton- und Videoaufnahmen – den Werdegang vom kessen DDR-Jugendstar bis zur Interpretin von Liedern von Bertolt Brecht. Mit Schlagern wie „Du hast den Farbfilm vergessen“ war sie Idol der DDR-Jugend, 1976 folgte sie mit ihrer Mutter Eva-Maria Hagen ihrem vom Politbüro ausgewiesenen Ziehvater Wolf Biermann in die Bundesrepublik.

Nina Hagen lebte nach ihrer Übersiedlung in den Westen nicht nur in Berlin, sondern auch in London und den USA. Sie spiele in Otto Waalkes’ Märchenparodie „7 Zwerge“ die böse Stiefmutter. Plattencover aus Brasilien oder ein Tourheft aus Japan aber zeugen davon, dass sie weltweit Erfolg hatte und zahlreiche Musiker beeinflusste. So schwärmte Anthony Kiedis, Sänger der Red Hot Chili Peppers, noch Jahrzehnte später von Nina Hagens Sex-Appeal, ihrer Großzügigkeit und ihrem Charisma.

Modestrecken und Titelseiten etwa der „Vogue“ zeigen, dass die Berlinerin auch Stil-Ikone war. „Sie trug das Spitzen-Bustier von Jean Paul Gaultier früher als Madonna“, sagt der Sammler, der in Ritterhude bei Bremen aufwuchs und heute in Berlin ein Optikergeschäft hat. Außerdem sei sie das älteste Cover-Girl der „Bravo“. Nina Hagen zierte unter anderem 1980 und 2006 das Titelblatt der Teenie-Zeitschrift. Christina Sticht