Stuttgart / Jürgen Kanold Nach einem Tarifabschluss mit den Gewerkschaften ist jetzt auch Kurzarbeit an den Staatstheatern möglich.

Winfried Kretschmann geht bekanntlich gerne in die Staatsoper, und jetzt freut sich der Ministerpräsident sehr, dass die Staatsoper auch zu ihm kommt – jedenfalls in den Park der Villa Reitzenstein. Dort werden am 25. Juli drei Sommerkonzerte zu erleben sein für je 99 Bürgerinnen und Bürger. „Gerade jetzt ist unser Bedürfnis nach Kunst und Kultur größer denn je“, wird Gastgeber Kretschmann in einer am Montagnachmittag verbreiteten Pressemitteilung des Staatsministeriums zitiert.

Schon am Freitag freilich hatte sich das Schauspiel Stuttgart mit Vorstellungsabsagen gemeldet: das „Lesenest“ im Foyer, Theresia Walsers „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ im Hof, „Schäfchen im Trockenen“ im Kammertheater oder das „Lyrik-Telefon“ – alles eingestellt, gestrichen. Auf Initiative des Landes seien für die Beschäftigten an den Staatstheatern mit den Gewerkschaften Tarifabschlüsse zur Kurzarbeit verhandelt worden. Durch die Absage des regulären Spielbetriebs seit dem 13. März und aufgrund der drastisch reduzierten Zuschauerkapazität im Ersatzspielplan seien deutliche Einnahmeverluste entstanden. Um diese aufzufangen, müssten die Staatstheater jetzt Kurzarbeit anmelden, was für alle Bereiche des Hauses mit unterschiedlichen Auswirkungen geschehe.

Wie das konkret umgesetzt wird in allen Stuttgarter Sparten, war am Montag bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren von der Geschäftsführenden Intendanz. Das Kunstministerium äußerte sich auch nicht. Stadttheater, etwa in Ulm, haben schon seit Wochen Mitarbeiter und Ensembles teils in Kurzarbeit geschickt. Jetzt sieht es auch bei den Staatstheatern nicht mehr rosig aus, auch wenn Kretschmann das Bedürfnis nach Kultur betont.

Wie geht es weiter?

Der Intendant der Staatsoper, Viktor Schoner, hat viel für dieses Bedürfnis getan: „Hinter uns liegt ein vielfältiger Sommer mit über 100 Vorstellungen in nur zwei Monaten, in denen wir auf dem Wasen, am Hafen, am und im Mercedes-Benz Museum und noch an vielen anderen Spielorten der Stadt zu Gast waren.“ Tatsächlich hat die Staatsoper dem Coronavirus offensiv getrotzt, mit Beethoven-Sinfonien des Staatsorchesters, mit Operetten oder jetzt dem Chor-Happening „Demo(kratie)“. Auch das Stuttgarter Ballett möchte am 25. Juli im Opernhaus noch eine Premiere herausbringen: „Response“ (mit einer Direktübertragung auf den Kulturwasen). Dieses Projekt ist wohl nicht gefährdet, aber wie es in der kommenden Saison an den Staatstheatern künstlerisch weitergeht, soll erst nächste Woche bekanntgegeben werden. jük