Stuttgart / Jürgen Kanold Die Kunstministerin verkündet das Ende der Spielzeit. Das Tübinger LTT aber will nicht aufgeben.

Die Saison 2020/2021 an den Staatstheatern in Stuttgart und Karlsruhe ist Geschichte. Wie erwartet hat die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer gemeinsam mit den Städten den regulären Spielbetrieb bis 31. August für beendet erklärt. Das soll den Bühnen Planungssicherheit verschaffen.

Die Ministerin betonte aber das gemeinsame Anliegen, dass die Staatstheater dennoch kreative künstlerische Formate anbieten können – mit dem absoluten Vorrang des Schutzes von Publikum und Akteuren. Es werde an einer Regelung für die Durchführung von Kulturveranstaltungen gearbeitet. Auch versprach Bauer, für die Proben „weitere Spielräume zu eröffnen“. Die derzeitige Corona-Verordnung erlaubt nur bis zu fünf Akteure.

Auch in den kommunalen Theatern in Freiburg, Mannheim und Heilbronn ist die Saison gelaufen. In Tübingen am Landestheater (LTT) ist sie das nicht. Intendant Thorsten Weckherlin hält nichts „von dieser überall grassierenden Absage- und vorzeitigen Spielzeit­ende-Orgie“. Sein „Balkontheater“ laufe prima, das LTT komme auf Tübinger Plätze, um Ausschnitte etwa aus „Warten auf Godot“ zu zeigen. Mit Gefährdungsanalysen habe man sich, so Weckherlin, aufs Freilichttheater im Hof vorbereitet. So seien die Bestuhlungspläne neu justiert worden. Der Intendant bezeichnet sich in dieser Corona-Krise weniger als „total traurig“ als eher „total tatendrangig“.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Auch die Staatsoper Stuttgart, die jetzt den Spielbetrieb einstellen muss, findet immer neue Formate. Mitglieder des Staatsorchesters und des SWR Symphonieorchesters bieten Eins-zu-Eins-Konzerte an. Ein Musiker spielt zehn Minuten lang für einen Hörer – im Sicherheitsabstand, mehr Menschen sind nicht im Raum. Inspiriert wurde die Idee von Marina Abramovics Performance „The Artist Is Present“. Am 8. und 10. Mai gibt es Minikonzerte im Stuttgarter Flughafen. Infos über staatsoper-stuttgart.de/1to1 Jürgen Kanold