Helmut Pusch In der Reihe Musikbibliothek von Kiepenheuer & Witsch darf Frank Goosen von den Beatles schwärmen.

Am Anfang war die Schwarzarbeit. Die machte Bestsellerautor Frank Goosen zum Beatles-Fan. Denn Papa Goosen hatte Ende der 70er Jahre nach Feierabend bei einem Essener Elektrohändler ein paar Steckdosen installiert. „Gib mir kein Geld, gib mir lieber ein paar Platten für meinen Jungen!“ sagte Goosen senior damals. Die paar Platten waren das rote und das blaue Album der Beatles und „Abbey Road“. Damit war es um den 13-Jährigen geschehen: Die Fab Four wurden zu einer lebenslangen Obsession. Und die beschreibt der Sprecher der Generation Golf und eher leidenschaftlicher als talentierter Hobby-Gitarrist in seinem Beitrag zur Kiwi-Musikbibliothek amüsant und erstaunlich sachkundig.

Dabei ist Goosen kein Zeitzeuge. Als er geboren wurde, hörten die Beatles gerade auf, Konzerte zu geben, als sie sich trennten, war er gerade mal vier Jahre alt. Goosen hat die Entwicklung dieser sagenhaften Band also nicht miterlebt, ist, wenn man so will, Sekundär-Beatles-Fan. Er bekam das komplette Oeuvre auf einen Schlag serviert, alle 241 Songs, die die Band aufgenommen hatte, wie man Ian MacDonalds Songlexikon der Beatles entnehmen kann. Das ist ein gutes Beispiel für die Nachwirkung des Quartetts, das heute besserer erforscht ist als zu seiner aktiven Zeit – und auch einen höheren Stellenwert genießt, als damals. Kein Wunder: Auch ein guter Teil der heutigen Musikwissenschaftler und Feuilletonisten sind mit dem Kanon der Beatles-Songs aufgewachsen, rechnen John Lennon und Paul McCartney längst zu den genialsten Musiksetzern aller Zeiten.

Soundtrack des Lebens

Für Goosen sind diese Songs der Soundtrack seines Lebens. Das beschreibt der Pott-Chronist mit trockenem Humor, augenzwinkernd rückblickend auf eine Jugend, die längst nicht so glamourös ausgefallen ist, wie man sich das selbst gern ausgemalt hätte, vor allem was die Beziehungen zum anderen Geschlecht angeht. So erfindet der 15-jährige Frank auch kurzerhand mal eine Freundin, um mit seinen Klassenkameraden mithalten zu können. Ihr Name? Natürlich Michelle.

Im zweiten Teil des Büchleins beschreibt Goosen auch das Business, das in Liverpool von den Fab Four profitiert und die Nerds, die mit ihrem Wissen um die Band prahlen. Goosen tut das nicht. Das macht dieses Buch so ungeheuer sympathisch. Helmut Pusch