Regensburg / Paul Winterer 30 Jahre lang leitete Georg Ratzinger die berühmten Regensburger Domspatzen. Jetzt ist er mit 96 Jahren gestorben.

Er war der Bruder des ehemaligen Papstes Benedikt XVI.: Am Mittwoch starb Georg Ratzinger, der langjährige Leiter der weltberühmten Regensburger Domspatzen im Alter von 96 Jahren. Kurz vor seinem Tod erfüllte sich ihm noch ein Herzenswunsch, den er mit seinem jüngeren Bruder Joseph Ratzinger teilte: Die beiden betagten Theologen konnten sich noch einmal in Regensburg treffen. Am 18. Juni traf der emeritierte Papst dort überraschend ein.

Seit dem Rücktritt Benedikts im Jahr 2013 konnten die Brüder sich wieder ohne protokollarischen Zwang treffen. Die beiden verband ein inniges Verhältnis. Während der jüngere nach dem Theologiestudium rasch als Kirchengelehrter von sich reden machte, studierte der ältere zusätzlich Musik und wurde nach einer Station in Traunstein 1964 Domkapellmeister in Regensburg.

In dieser Funktion leitete er 30 Jahre lang den ältesten Knabenchor der Welt. Ratzinger führte die Domspatzen zu Konzertreisen in alle Welt. In seine Ära fielen auch die Feiern zum tausendjährigen Bestehen des Chores im Jahr 1976.

Vorwürfe von Misshandlungen

Im hohen Alter holte ihn jedoch der Skandal um Misshandlungen und sexuellen Missbrauch bei den Domspatzen ein. Konfrontiert mit Vorwürfen gestand er, Singknaben in seinen Anfangsjahren als Kapellmeister selbst geohrfeigt zu haben. Ein ehemaliger Domchorsänger nannte ihn einen Sadisten und Gewalttäter.

Ratzinger bestritt, vom sexuellen Missbrauch durch Priester und Erzieher gewusst zu haben. Die vom Bistum und seinem Nachfolger Roland Büchner angestoßene Aufklärung des Skandals nannte Ratzinger einen „Irrsinn“, relativierte die Aussage aber kurz darauf.

Im Ruhestand trat Ratzinger 1994 in das Regensburger Stift St. Johann ein. Unweit des Domes lebte er zuletzt zurückgezogen. Er war fast vollständig erblindet und auf den Rollstuhl angewiesen. Von den regelmäßigen Besuchen bei seinem Bruder, dem früheren Papst im Vatikan, konnten ihn körperliche Gebrechen jahrelang nicht abhalten. Paul Winterer