Paris / dpa Einstige Gesundheitsministerin soll dem wegen Corona gebeutelten Land aus der Krise helfen.

Das Pariser Rodin-Museum muss Werke verkaufen, um zu überleben; der Direktor der Pariser Oper wirft wegen der immensen Verluste das Handtuch. In Frankreichs coronagebeutelter Kulturszene herrscht Untergangsstimmung. Die Kultur befinde sich in einer apokalyptischen Situation, warnte der Intendant des wegen der Pandemie abgesagten Theaterfestivals Avignon Olivier Py. Rettung erhofft man sich nun von der neuen Kulturministerin Roselyne Bachelot, einer krisenerprobten Politikerin.

Sie sei eine Löwin, eine Kämpferin, ein politisches Tier, eine Frau mit Charakter, die kein Blatt vor den Mund nimmt – so die ersten Reaktionen der Kulturwelt. Die 73-Jährige war eine der großen Überraschungen der kürzlichen Regierungsumbildung von Präsident Emmanuel Macron. Niemand hatte mit ihrer Rückkehr in die Politik gerechnet, die die einstige Ministerin für Gesundheit und später für Solidarität und sozialen Zusammenhalt 2012 verlassen hatte.

Bachelot, Jahrgang 1946, hat sich mit ihrer Direktheit und ihrem resoluten Auftreten Respekt verschafft. Die Kulturwelt, die sich politisch eher im linken Spektrum ansiedelt, hat die aus dem konservativen Lager kommende Politikerin denn auch mehrheitlich begrüßt. Man setzt auf ihre Erfahrung mit den Mechanismen des Staates. Ein weiterer Grund ist, dass Bachelot für ihre Opernleidenschaft bekannt ist. Seit 2012 wirkte sie zudem als Kultur-Moderatorin und schrieb wöchentliche Opern-Kolumnen.

„Sie hat eine Herkulesarbeit vor sich“, sagte Festivalintendant Olivier Py im Interview der Zeitschrift „Les Inrockuptibles“. Aber sie sei eine Frau mit Überzeugungen, die gegen die „Technokraten“ im Finanzministerium kämpfen müsse, die keine Kunstliebhaber seien und noch nicht verstanden hätten, dass die Kultur mehr zur Wirtschaftsleistung beitrage als die Automobilindustrie, so Py.

Damit spielt der Intendant auf die acht Milliarden Euro an, die die Regierung der Automobilindustrie an Corona-Wiederaufbauhilfen versprochen hat – drei Milliarden mehr als für die Kultur. Nur wenige Tage nach ihrer Ernennung verkündete Bachelot 1,6 Milliarden Euro zusätzlich. Gleichzeitig räumte sie ein, dass ihre Aufgabe nicht darin bestehe, Geld zu erbetteln, sondern Projekte auf die Beine zu stellen.

Sabine Glaubitz