München / KNA Vor 100 Jahren starb der Heimatschriftsteller Ludwig Ganghofer. Kaiser Wilhelm II. schätzte seine Romane.

„Herr, wen du lieb hast, den lässest du fallen in dieses Land!“ – Mit zum Himmel erhobenen Armen spricht Pater Eberwein diese Worte. Es ist der Moment, als er „mit leuchtendem Blick“ die Schönheit des ihm zu Füßen liegenden Berchtesgadener Landes sieht. Ludwig Ganghofer (1855-1920) beschreibt die Szene in seinem Roman „Die Martinsklause“ (1894). Auch ihn selbst muss es gepackt haben, als er erstmals mit Frau und Tochter den Urlaub bei Watzmann und Königssee verbrachte. Und noch immer wird mit Ganghofers Worten im Tourismus geworben, dabei starb er am 24. Juli vor 100 Jahren.

Beim Namen „Ganghofer“ dürften vielen wohl schnulzige, wenn auch spannende Heimatfilme in Erinnerung kommen. Wo der Wildbach rauscht, die Gipfel hoch sind und der Jäger den Finger am Abzug für einen Hirsch hat – das ist die Welt, in der die Geschichten spielen, meist gewürzt mit einem Hauch Volksfrömmigkeit, und auch die Liebe darf nicht fehlen. Mit seinen Theaterstücken, Erzählungen und Romanen wie „Der Jäger von Fall“, „Der Ochsenkrieg“ oder „Das Schweigen im Walde“ traf der 1855 in Kaufbeuren geborene Sohn eines Försters den Nerv seiner Zeit.

Ganghofer wurde zu einem Bestsellerautor, den selbst Kaiser Wilhelm II. schätzte. Für den österreichischen Satiriker Karl Kraus war das eine Steilvorlage für seine Tragödie „Die letzten Tage der Menschheit“, wo er die beiden aufeinandertreffen lässt. Prominente Zeitgenossen aus der Kulturszene wie Hugo von Hofmannsthal, Franz von Stuck, Bruno Walter und Ludwig Thoma folgten gerne Ganghofers Einladungen in sein Tiroler Jagdhaus.

Schon als Kind hatte es Ganghofer in die Berge gezogen. Durch den Beruf seines Vaters wuchs er an verschiedenen Orten in Bayern auf, wo er Lateinschule und Realgymnasien besuchte. In Berlin, Halle und Leipzig studierte er Literatur und Philosophie. Nach seiner Promotion kam Ganghofer nach München, wo am Gärtnerplatztheater sein erstes Theaterstück „Der Herrgottschnitzer von Ammergau“ uraufgeführt wurde.

Auch in Wien gelangte das Stück im Ringtheater auf die Bühne. Dort arbeitete Ganghofer als Dramaturg und lernte die Schauspielerin Katinka Engel kennen, die er 1882 heiratete. Erst danach wurden seine Bücher zu Erfolgen. Die Charaktere, heißt es, entnahm er meist seiner Familienchronik oder seinen Jugenderlebnissen. 1883 kam die erste Tochter zur Welt, 1890 wurden die Zwillinge Sofie und Gusti geboren.

In ihrer Stadtwohnung in München, wohin die Ganghofers 1895 ihren Lebensmittelpunkt verlagerten, richteten sie zum Advent 1896 sogar eine Talentbühne ein. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war Ganghofer begeistert: schrieb fortan täglich ein Gedicht und stilisierte die deutschen Soldaten zu Helden.

Bei Kriegsende wollte er sich eigentlich erschießen, befolgte dann aber den Rat seines Freundes Ludwig Thoma und kaufte ein Haus am Tegernsee. Darin waren ihm noch wenige Wochen vergönnt: Am 24. Juli 1920 starb Ganghofer und wurde am Kirchfriedhof Sankt Laurentius von Rottach-Egern begraben. kna