Köln / dpa Das Wallraff-Richartz-Museum in Köln zeigt Werke der niederländischen Marinemalerei.

Ein Mann mit Mundschutz steht vor einem großen Gemälde mit Segelschiffen vor exotischer Felsküste. Es ist fast eine symbolhafte Szene, in einer Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum in Köln kann man jetzt vom Wegfahren wenigstens träumen. Die Schau „Poesie der See“ vereint vom Himmelfahrtstag an bis zum 11. April 2021 mehr als 20 Werke niederländischer Marinemaler.

Hendrick Corneliszoon Vroom, Jan Porcellis, Jan van Goyen und Salomon van Ruysdael und andere: Das Wasser sieht bei ihnen mitunter aus wie eine geriffelte Tischdecke. Darauf wiegen sich die hochgetürmten Holzschiffe in der Dünung. Mal ist jedes Detail abgebildet: Geschützpforten, Takelwerk, Heckspiegel, Flaggen und Wimpel. Mal liegen die Schiffe mit gerefften Segeln im Gegenlicht, fast wie ein Scherenschnitt.

Dieses Genre der Malerei ist von den Niederländern erfunden worden. Auffällig sei, dass andere große Seefahrernationen wie Portugiesen, Spanier und Engländer keine solche Malerei hervorgebracht hätten, sagt die Kuratorin Anja Sevcik.

Damals, im 17. Jahrhundert, verließen viele Menschen ihren Geburtsort ihr ganzes Leben lang nicht ein einziges Mal. Hunderttausende Deutsche reisten allerdings auf den Schiffen der niederländischen Ost- und Westindien-Kompanien um die Welt. Die Niederländer selbst waren sich dafür meist viel zu schade, aber die Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge aus dem vom Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Deutschland hatten keine andere Wahl.

So majestätisch die Segler auf den Gemälden auch aussehen: Darauf zu leben, war die Hölle. Es waren hölzerne Gefängnisse.  Verfaultes Wasser, verschimmelte Nahrung. Vitamin-C-Mangel löste Skorbut aus: Die Zähne fielen aus, das Zahnfleisch nahm eine schwarze Färbung an, die Haut war mit Ekzemen übersät.

Tja, und so hat die Beschäftigung mit der Seefahrt vielleicht doch noch einen heilsamen Effekt für alle Quarantäne-Geschädigten: Daheim ist es auch nicht so schlecht. Die alten Holländer wussten das schon und hatten ein entsprechendes Sprichwort: „Oost, West – thuis best.“ Ob Osten oder Westen: zu Hause ist‘s am Besten. Christoph Driessen