dpa Das US-Trio Khruangbin dürfte mit seinem neuen Album „Mordechai“ nicht mehr nur Hipster erreichen.

„Thailändischer Funk, bassgetriebene Psychedelia, Tarantino-Filmmusik und cooler Surfrock“: So beschreibt das US-Trio Khruangbin selbst die Ingredienzen seiner Stilmixtur. Und es unterschlägt damit sogar ein paar Zutaten, etwa Seventies-Soul, nahöstliche Folklore, Dub-Reggae oder Country. Dass die Songs oft ohne Text auskamen, erhöhte bisher nicht die Chancen der drei Musiker aus Houston auf eine große Pop-Karriere. Das könnte sich ändern: Denn was die Latina Laura Lee Ochoa (Bass/Gesang), der Afroamerikaner Donald „DJ“ Johnson (Schlagzeug) und der weiße Mark Speer (Gitarre) auf ihrem neuen Album „Mordechai“ abliefern, ist mehr als nur eine kleine Pop-Sensation.

Die Texaner Khruangbin (thailändisch für Fluggerät) sind bereits seit ihrem Debütalbum „The Universe Smiles Upon You“ (2015) Kritikerlieblinge – und Favoriten eines internationalen Hipster-Publikums, auch wegen ihrer energiegeladenen Live-Auftritte. Auf dem aktuellen Studiowerk, erneut veröffentlicht beim US-Independent-Label Dead Oceans, machen Khruangbin nun endgültig weltumspannende Tanzmusik voller pfiffiger Sounddetails und cleverer Referenzen. Dass Laura Lee Ochoa mit ihrer Sirenenstimme nun häufiger ans Mikro tritt, erhöht die Zugänglichkeit der Stücke.

Groovend und entspannt

Songs wie das mächtig groovende „Time (You And I)“ oder das ähnlich gnadenlos treibende „Dearest Alfred“ laden zur angenehmen Weltflucht ein, sie werden hoffentlich auch noch nach den Corona-Beschränkungen auf Tanzflächen und in Konzertclubs zünden. An anderer Stelle geht zurückgelehnt zu, so dass sich dazu durchaus auch ein Kaltgetränk zuhause auf dem Balkon trinken lässt.

Es wäre dieser tollen Band sehr zu gönnen, dass ihr explosives Album nicht pandemiebedingt verpufft. Auch wenn Speer kürzlich in einem Interview sagte: „Ich möchte ja gar nicht berühmt sein. Ich wollte nur nicht darum kämpfen, meine Miete bezahlen zu können.“ Etwas besser dürfte es für Khruangbin mit „Mordechai“ schon laufen. Werner Herpell