Salzburg / Georg Etscheit, dpa Fast alle Sommerfestivals wurden abgesagt. Nur Salzburg wartet. Was plant Intendant Hinterhäuser?

100 Jahre Salzburger Festspiele: Ganz groß sollte das runde Jubiläum diesen Sommer gefeiert werden. Doch es scheint zur Zeit kaum vorstellbar, dass das Programm unter den Bedingungen einer Corona-Quarantäne stattfinden kann. Bislang hat es das Festspiel-Kuratorium vermieden, die Absage offiziell zu verkünden, doch bis Ende Mai soll eine Entscheidung fallen.

In ihrer hundertjährigen Geschichte wurden die Festspiele bislang nur zweimal abgesagt: 1924 fehlte Festspielgründer Hugo von Hofmannsthal das Geld, und 1944 untersagte NS-Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels eine Woche vor Festspielbeginn sämtliche Kulturveranstaltungen. Doch schon 1945 wurden wieder Festspiele veranstaltet.

Festspielintendant Markus Hinterhäuser und sein Team hatten zur 100-Jahr-Feier ein erlesenes Programm geplant: Operndiva Anna Netrebko sollte Puccinis „Tosca“ singen, Pultstar Teodor Currentzis an der Seite von Regie-Multikünstler Romeo Castellucci Mozarts „Don Giovanni“ präsentieren. Mit Joana Mallwitz sollte erstmals eine Dirigentin mit der „Zauberflöte“ eine große Opernproduktion im Haus für Mozart herausbringen. Zudem wollte sich Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in den Ruhestand verabschieden.

Zunächst wurden die Salzburger Osterfestspiele, dann die Pfingstfestspiele ersatzlos gestrichen, es folgten alle wichtigen Festivals in Deutschland. „Wir wollen keine Ausnahme haben“, sagte Noch-Präsidentin Rabl-­Stadler laut einem Bericht kürzlich im ORF. Auf eine Interviewanfrage ließ Intendant Markus Hinterhäuser nun antworten, er warte auf „mehr Klarheit von Regierungsseite“. Fragt sich, ob der als ideenreich bekannte Festspielchef etwas in der Hinterhand hat. Rabl-Stadler zufolge werden derzeit mögliche Szenarien durchgespielt, etwa eine „großzügigere Bestuhlung“ auf dem Domplatz oder in der Kollegienkirche.

Vielleicht gibt es ja doch so etwas wie ein coronataugliches Rumpf-Festival mit dem „Jedermann“ vor maskiertem Mini-Publikum. Bliebe die Frage, wer auf Seiten des Publikums dann zum Zuge käme. Georg Etscheit