Karlsruhe/Bellheim / epd Rock ’n’ Roll: Der blinde Sänger Christian Besau erobert die US-Country-Charts auf den Spuren von Elvis Presley.

An die Entstehung seiner Liebe zum Rock ‘n’ Roll erinnert sich der von Geburt an blinde Christian Besau (46) gut: Als kleines Kind hatte er in einem Karton eine Kassette mit Rockmusik gefunden und sie sich angehört. „Diese Musik war Wut und zugleich gute Laune – mit dem Krach konnte man Kopfschmerzen vertreiben.“ Ein paar Jahrzehnte später ist der kleine Junge aus Mannheim weit gekommen. Sein Song „Real Love“ lag diesen Sommer auf Platz neun der US-New-Music-Weekly-Country-Charts.

Wer Besau trifft, erlebt einen hochgewachsenen schlanken Mann, der sich höflich und vorsichtig ausdrückt. Er spricht auffallend strukturiert. Das hänge mit seiner Blindheit zusammen, sagt er. Er habe ein starkes Bedürfnis, „auf dem Track zu bleiben und Umwege zu vermeiden“. So profitiere er von „seinem vermeintlichen Defizit“.

Schon kurz nach seiner frühen Entdeckung des Rock ’n’ Roll kannte Besau alle Hits von Elvis Presley und Bruce Springsteen. Es folgten eine Ausbildung zum Schlagzeuger und Sänger-Wettbewerbe. Sein Stil: Pop, Rock ’n’ Roll und souliger Südstaatensound.

Den ersten Plattenvertrag erhielt der Hobby-Sänger mit Künstlernamen Chris Brandon 2001. Seine erste Veröffentlichung „come together“ erreichte auf Anhieb Platz vier der deutschen Radio-Formatcharts.

Fast 15 später Jahre ruft ihn ein Mister Presley aus Memphis an. Er sagt, er sei Ryan Presley, ein entfernter Cousin von Elvis Presley. Als Songtexter suche er einen Interpreten aus dem Land von Elvis Ahnen, die Pfälzer waren. Besaus Wohnort, Bellheim, liegt genau dort.

2017 entsteht der erfolgreiche Titel „Rhine Land to Graceland“, eine Hommage an Elvis in seinem 40. Todesjahr. Diesen Sommer folgte „Real Love“, komponiert vom baden-württembergische Gitarristen Conny Conrad, getextet von Presley und Besau am Telefon, eingesungen von Besau. Was beide Männer erst aus Medien erfahren: Auch Presley ist blind.

Wie geht es weiter? „Musiker sind heute sehr austauschbar“, sagt Besau. Er sei dankbar, wenn er im Rennen bliebe. epd